Bounce Radioshow

TripleNine-Exclusives an der Bounce-Cypher

Black Tiger, Shape, KWAT, E-Light und TripleNine – Basel war gut vertreten an der grossen Bounce-Cypher bei SRF Virus (hier die Zusammenfassung). Hier der TripleNine-Ausschnitt von Silenus, Abart und meiner Wenigkeit.

Ebenfalls erwähnenswert: Der hammerharte Chilz-Part. Unter dem Foto gibts zudem den Text zu meinem Exklusive.

Foto: Oli Baer/SRF

Foto: SRF Virus/Oli Baer (rundumsbild.ch)

Fetch-Exklusive
TripleNine-Schabernack, lueg e mol die Basler aa.
Mach nid ein uff Jesus, mir nagle di an Marterpfahl.
Red nid vom Nordweschte als wär das no s Neandertal.
Ihr hänn schöni Pussies, doch krieged do e Schwanz in Arsch.
Anderscht hart.
Elefante uff em Bölche, dr Fetch isch ihre Hannibal.
E B-Boy im Cypher, y step mol uf s Laminat.
Brandhärd isch back – Pathos und Panzerstahl.
Sie würde uns gärn abschryybe.
Ihr sinn mini Kinder, viellicht hätt-y sötte abtryybe.
Sage mr Bounce wär e Laufstäg.
Was wär dr lieber so rein vom Sound här?
Mode oder Stil? Zytlos oder progressiv?
Bi uns seit me bite, wenn willsch Opfer syy.
Schön gseehsch uss im superänge Shirt.
Im Cypher könnt me meine, dass vor schwule Männer twerksch.
Aber easy au ych bi mängmol e schräge Kauz.
Z fuul zum doubletime, y penn lieber uff dr Couch.
Exklusiv – so kriege drs bi Bounce.
Straight dr Nase noo, wie im Pablo si Schnauz.
Und spicy, wie sini Chicken-Pfanne.
Bier und Beats – mehr kasch nid verlange.
Hardcore-hängebliebe wie Serrano Schinke.
Ladies läcke Lippe wenn sie mir am Bahnhof winke.


Gangstacomedy mit Kiko und Boro (361 Grad)

Bevor ich zum Royal Arena Festival komme, hier der Nachtrag zur Show am Donnerstag: Das Bounce-Interview mit Kiko und Boro alias 361 Grad war ja wieder einmal bestes Entertainment, Gangstacomedy (Podcast hier). U.a. erklärten die beiden St. Galler mit dominikanischen Wurzeln den Unterschied zwischen Schweizer Frauen («die brauchen keinen Mann, nur als Accessoir – das sind Selbstversorgerinnen, Amazonen») und solchen aus ihrem Herkunftsland, der Dominikanischen Republik («In Santo Domingo kann man keine Frau so einfach heimnehmen» und «dort ist ein Mann noch ein Mann»).

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Backflash: So war das Openair Frauenfeld 2011

Wie Ihr vielleicht mitbekommen habt, war ich am Wochenende am Openair Frauenfeld und habe für DRS Virus live vom Openair gebloggt in Bild (195 Fotos) und Text (28’393 Zeichen). Diesen Erguss möchte ich Euch natürlich nicht vorenthalten. Viel Spass mit dem Frauenfeld Flashback 2011.

Kurzfazit vorweg: Für die Highlights sorgten OWFGKTA mit Tyler The Creator am Freitag sowie Yelawolf, Tommy Vercetti und Lupe Fiasco am Samstag. Am Sonntag gefielen u.a. Marteria und Public Enemy. Natürlich überzeugten auch die ganz grossen Namen wie Snoop, Wu-Tang, Roots, Cypress Hill, Savas und Samy mit souveränen, zum Teil sensationellen (Samy/Savas), Konzerten…sie haben aber alle etwas gemein: Man hat sie in Frauenfeld schon (mindestens) einmal gesehen (das ist das Luxusproblem von/in Frauenfeld). Aufregend war deshalb v.a. das Neue. Und jetzt zum Ticker (wer es chronlogisch mag, liest von hinten nach vorne).

So war der Sonntag

19:35 Uhr: Mit etwas Verspätung betritt der allerletzte Act Pitbull die Bühne – im Anzug. Der Herr aus Miami hat Stil – im Gegensatz zu anderen, die vorher auf dieser Bühne standen. Im Publikum wird die Flagge seines Heimatlandes Kuba geschwenkt. Von Rap über Reggaeton bis hin zu stampfendem DumDum wird alles geboten und gefeiert. Für die breite Masse offensichtlich der perfekte Abschluss des Openairs. Ich kann mit Pitbull nicht soviel anfangen – ausser ich bin in der Karibik in den Ferien und habe zwanzig Mojito intus. Um 20:10 Uhr grosses Gekreische: Der Latinrapper nimmt die Ladies mit in den «Hotelroom». Ich bleibe lieber draussen.

18:27 Uhr: Der Endspurt ist lanciert: Public Enemy bringen das Publikum mit «Don’t Believe The Hype» zum ausrasten. Die Legenden überzeugen tatsächlich – ich habe mich aus Angst vor Enttäuschungen auf nixx Grosses gefasst gemacht. Und wurde eines Besseren belehrt. I like. Begonnen wurde das Konzert von Chuck D alleine mit «Public Enemy N°1». Bei «911 Is A Joke» stürmt dann auch P.E.-Maskottchen Flavor Flav auf die Bühne. Puh, ich hatte schon befürchtet, der Hypeman kommt nicht. Coool, schon wieder keine Enttäuschung.

Die Herren Chuck D und Flavor Flav präsentieren sich gut gelaunt, laut – und beachtlich fit für ihr Alter. Immerhin haben beide schon die 50-Jahr-Marke überschritten. Sogar ihre grimmig dreinblickenden Soldiers lächeln gelegentlich beim Exerzieren. P.E. Drücken gut ab und der Funke springt locker auf die Crowd über. Flavor Flav zappelt herum, zeigt seine Uhr und macht Fratzen wie ein Clown – perfekt für die Fotografen (die Uhr an seinem Hals geht übrigens 45min nach). Der Höhepunkt des Konzertes erfolgt um 19 Uhr als es heisst «Fight The Power». We do.

18:00 Uhr: Carlos Leal, Déborah, DJ Just One und DynaMike werden nie mehr zusammen ein Bandprobe machen müssen. Soeben hat nämlich ihr allerletztes Konzert als Sens Unik begonnen. Die «last hour of Sens Unik», wie Leal das Konzert konsequenterweise nennt. Die Sonne scheint zum Abschied. Die Beats kommen ab Band, dazu kommt der Live-Schlagzeuger DynaMike und DJ Just One. Endlich spielt eine Schweizer Band zu einer anständigen Zeit. Etwas schade ist der Pyjama-Schlabber-Look von Carlos und Déborah. Also ich hätte mich festlicher gekleidet bei meinem letzten Gig. Es folgt eine Zeitreise durch 21 Jahre Bandgeschichte. Kurz vor 18 Uhr ist das letzte Sens-Unik-Kapitel nach dem Song «Cest La Vie» und der Zugabe «Bye, Bye» zu Ende und das Buch wird geschlossen. Fertig aus. Das Publikum hat die Lausanner ein letztes Mal ausgiebig gefeiert. Wir wünschen alles Gute für die Zukunft nach Sens Unik.

16:00 Uhr: Samy Deluxe rockt die Nebenbühne. Er ist zum ersten Mal in Frauenfeld (das war ein Joke…er ist eigentlich jedes Jahr hier – zu Recht;). Mit im Gepäck hat der Hühne aus Hamburg brandneue Tracks von seinem kommenden Album «Schwarz Weiss», welche die Vorfreude auf seinen neusten Silberling steigen lassen (wirklich!). Es scheint, als ob Samy auf der neuen CD wieder etwas mehr von seiner überheblich spittenden Wickeda-Mcee-Seite zeigt (find ich super). «Früher war ich zu gut, heute bin ich zu besser», rappt er etwa in der Zusatzstrophe seiner Vorab-Single «Hände hoch». Da sind wir aber gespannt. Das Publikum jedenfalls feiert den Hamburger frenetisch – wie jedes Jahr. Samy und Frauenfeld das ist so etwas wie eine Liebesbeziehung. Mal gucken, wie sie 2012 weitergeht.

15:15 Uhr: Ein Sturm zieht auf (und zieht später ohne grösseren Niederschlag wieder weiter). Auf der Hauptbühne steht Ziggy Marley und spielt mit seiner Band den «sound of love», wie er sagt. Ziggy gleicht seinem Vater Bob definitiv mehr als Bruder Damian, der letztes Jahr mit Nas in Frauenfeld war. Und natürlich hat der kleine Marley auch Tracks von Papi im Gepäck: «Stand up, get up» und «I Wanna Love You» zum Beispiel. Ein ideales Konzert für den Sonntagnachmittag. Harter Ragga wär mir aber lieber.

Sonntag 13.40 Uhr: Endlich sehe ich ihn einmal live: Marteria betritt zu seinem Album-Opener «Endboss» die Nebenbühne. Der Rostocker Rapper grinst über beide Ohren, das Publikum rappt euphorisch mit. Das scheint ein gutes Konzert zu werden – was sich in den kommenden Minuten bestätigt. Es geht weiter mit «Du willst streiten». Die Backup-Musiker von «Band of Robots» stecken in schwarzen American-Fooball-Monturen, einzige Farbtupfer: Neonorange Marteria-Logos. Erinnert optisch an eine Light-Version von Deichkind, die wenige Stunden zuvor auf dieser Bühne das letzte Samstags-Konzert gerockt haben. Die Federn ihrer Zirkusshow kleben noch im Schlamm vor der Bühne. Bei den Moderationen zwischen den Liedern brilliert Marteria: «Unter Frauenfeld verstehen wir in Deutschland eigentlich etwas anderes», erklärt der Rapper und meint damit ein Haus mit käuflichen Bordsteinschwalben, dann folgt «Amys Winehouse».

Um 14:03 Uhr betritt Marterias bekifftes Alter Ego Marsimoto im grünen Superheldenüberwurf die Bühne und spielt «Der Nazi und das Gras» und «Der Döner in mir»…natürlich alles mit verfremdeter Marsimoto-Stimme. Grandios. Zehn Minuten später folgt das nächste Highlight: Die «Todesliste» mit der verbotenen vierten Strophe in der u.a. Morlokk Dilemma, die Orsons, Farid Bang und Casper ihr Fett weg kriegen. Der Beat ein Elektrobrett, der Boden in Frauenfeld vibriert. Einfach nur geil – ebenso als er kurz danach die zweite Strophe von «Alles verboten» über das RATM-Brett «Killing In The Name Of» rockt. Anschliessend wird das Publikum «Verstrahlt» – obwohl es inzwischen bewölkt ist. Den Schlusspunkt setzten die «letzten 20 Sekunden», welche de Fakto etwa zehn Mal 20 Sekunden dauern. Das verzückte Publikum springt mit Marteria. Jetzt sind die Leute definitiv wieder fit für die kommenden Konzerte. Die Frage ist nur: Kann dieses Konzert heute noch getoppt werden?

13:07 Uhr: Curren$y auf der Hauptbühne bei heissem Sonnenwetter. Der Boden ist modrig von der Regennacht – und die Crowd noch etwas müde. Der Funke zwischen Publikum und dem von Wiz Khalifa gehypten Rapper aus New Orleans will nicht überspringen. Dafür ist Curren$y hierzulande wohl auch noch zu unbekannt. Und seine Show zu dürftig: Ein Rapper, ein DJ…leider beide nicht vom Kaliber eines Yelawolf, der zusammen mit seinem DJ einer der Höhepunkte am Samstag war. Curren$ys DJ hingegen wirkt lethargisch, hat einen Bart wie ein Taliban und könnte vom Alter her sein Vater sein. Zum Schluss gibt es eine nette Accapella-Einlage des lächelnden Rappers im rosaroten Poloshit. Dann ist Curren$y weg. Kommentarlos. Komischer Abgang. Hinter der Bühne: Samy Deluxe ist wie meistens wieder sehr früh auf Platz und streunt über das Backstagegelände.

11:55 Uhr: Auf Bühne 2 gibt es Strassenrap aus Frankfurt Nordweststadt: Azad spittet seit einer halben Stunde wie ein Pitbull. Rohkost für das Zmorge am Sonntag. Ich mags, mochte Azad schon immer. Der kurdische Rapper spielt seinen 2004er-Hit «Mein Block» und kurz darauf «Monstershit», den er leider nicht mit der Unterstützung von One-Partner Kool Savas bringt. Dafür hat er ein rundes Dutzend seiner Frankfurter Jungs im Rücken. Zum Ende seiner Show gibts das «Prison Break Anthem», mit dem Azad 2007 an der Spitze der deutschen Singlecharts stand. Die tätowierte «1» in seinem Nacken erinnert an diesen Triumph. Sehr zur Freude des Publikums gibts als Zugabe den Azad-Part der Kool-Savas-Hymne «Immer wenn ich rhyme»…unterstützt von Moe Mitchell, der schon am Freitag bei Savas auf den Bühne war. «Ich hoffe ich kann nächstes Jahr wieder hier spielen – dann hoffentlich wenn es dunkel ist», meint Azad kurz vor Konzertende. Das können wir so unterschreiben. Dann steigt der Frankfurter Pionier mit einem breiten Grinsen von der Bühne. «Das war jetzt aber nicht cool, oder?», fragt der langhaarige DRS-Techniker. «Doch!», sage ich.

So war der Samstag

Samstag 01:00 Uhr: Jetzt wird die Nebenbühne zuerst zum Spielplatz und dann definitiv abgerissen. Deichkind sind am Start mit ihrem futuristischen Techno-Theater. Neongrelle Vögel, laut, quietschfidel und seeehr unterhaltsam. Die Hamburger, zu denen seit einem Weilchen ja auch Ferris MC gehört, beginnen die Show mit dem Titeltrack ihres aktuellen Albums «Arbeit nervt»…wenn man Deichkind beim jobben zuguckt, glaubt man das aber nicht wirklich;) Herrlich die Jungs.

23:15 Uhr: Cypress Hill beginnen überpünktlich. B Real und Sen Dog betreten die Bühnenbretter mit bestickten Leder-Gilets, welche die Hells Angels vor Neid erröten lassen würden. Nicht einmal den armen Talib Kweli lassen sie zu Ende spielen. Und sie reihen in schwindelerregender Geschwindigkeit Hit an Hit. Nach einer Viertelstunde haben die Westküsten-Koriphäen bereits «When The Ship Goes Down», «How I Could Just Kill a Man» und «Hand On The Pump» verballert – und der Köcher ist noch voller Banger. Das kann ja heiter werden. Und plötzlich ist sie wieder da – die Energie im Publikum.

Dann ein kurzer Dämpfer: Auf Songs wie «Latin Lingo» oder «Arma De Latina» vom neusten Album könnten sie getrost verzichten – dafür kann man auch zu Orishas gehen. Pfui. Die Entschädigung für diese Tortur folgt auf Fuss: «Insane In The Brain». Frauenfeld im siebten Himmel. B Real möchte aber noch höher schweben, zündet sich eine Tüte an zu «I Want To Get High». Kurz darauf folgen die «Hits From The Bong», welche dem 46-jährigen Sen Dog aber nicht so gut bekommen. Also ruft B Real (41) «Dr. Greenthumb». Super, was sie da bieten, die Kiffer, welche am 6. August ein Konzert zum 20-Jahre-Bandjubiläum spielen. Mit «Peace we love you» verlässt Cypress um 00:40 Uhr die Bühne. Gut wars.

23:06 Uhr: Talib Kweli spielt «Get em High» auf der Nebenbühne. Das Publikum macht artig mit, aber irgendwie ist es nicht so «high» wie bei den Konzerten zuvor (oder wie Cypress Hill kurz danach). Der Funke springt nicht wirklich über. Ist es der Regen? Oder macht sich nach den Killershows von Lupe Fiasco und Wu-Tang langsam Erschöpfung breit? Andererseits muss auch gesagt sein, dass sich Talibs dicht gewobene Textteppiche eher zum Zuhören eigenen als zum Abgehen. Anyway. Kein schlechtes Konzert, aber im Vergleich zum Vorangegangenen fällt es ab. Hey…inzwischen regnet es nicht mehr.

Randnotiz von 22:23 Uhr: Bushido meldet sich via Twitter zu Wort: «frauenfeld ist das nonplusultra in sachen hip hop open air… eine unglaubliche stimmung!!! ein fuck you an die veranstalter des splash!!!»

21 Uhr: Es geht Schlag auf Schlag: Der Wu-Tang-Clan entert mit «Bring Da Ruckus» die Bühne und die Fans werden reihenweise über die Abschrankung gezerrt (so ist das halt bei den Boygroups;). Krass. Bis vor dem Wu-Konzert hat es geregnet. Jetzt aber pisst es. Und zwar in Strömen! Die Leute vor der Bühne lassen sich nicht beirren und drehen erst recht durch bei Tracks wie «C.R.E.A.M.», «Gravel Pit» oder Method Mans «Da Rockwilder». Raekwon ist im Gegensatz zum Gig 2008 leider nicht mit dabei. Dennoch: 90er-Rap vom Allerfeinsten, verpisst, aber verdammt geil.

20 Uhr: Vor wenigen Minuten hat hat Lupe Fiasco die Bühne 2 betreten. Der Dude hat die Crowd vom ersten Moment an voll im Griff. Kein Wunder: Der New Yorker versprüht eine Spielfreude, wie wir sie in Frauenfeld bisher kaum gesehen haben. Dazu sein ansteckender Charme, die theatralischen Rockposen und eine bestechend tighte Band im Rücken. Dass Lupe gut ist, wusste ich ja. Dass er aber live so abgeht und vom gesamten Schweizer Publikum so frenetisch gefeiert wird, hätte ich nicht erwartet. Schön. Bisher die grösste und angenehmste Überraschung des Openairs. Auch die Rockelemente stehen Lupe sehr gut. Ist euch schon aufgefallen, dass der Herr aussieht wie Ex-FCB-Wirbelwind Samuel Inkoom? Und sein Gitarrist wie Bayern-Star Sebastian Scheinsteiger! Geil wie Lupes Band das vom Publikum gegrölte «Seven Nation Army» der Nine Inch Nails aufnimmt und elegant in den nächsten Track überleitet. Zum krönenden Schluss zerreisst Lupe sein White-T (deshalb wohl der V-Ausschnitt;) und spielt «Daydreamin’». Mit den Worten «salam aleikum, shalom» und «dankeschön» verabschiedet sich der New Yorker. Auf wiedersehen, hoffentlich!

Samstag 19:45 Uhr: «Can you dig it!?», schreit Roots-Rapper Black Thought kurz vor Konzertende in sein Kabelmikrophon (ein Sure SM 58, wie immer). Das Publikum brüllt aus tausenden Kehlen zurück. The Roots rocken, dass weiss die Crowd. Und das wissen die Booker in Frauenfeld. Die Band aus Philadelphia gehört zum besten was Rap – nein, was Musik allgemein – zu bieten hat. Schade haben sie den Tuba-Spieler nicht dabei.

17:35 Uhr: Keine 5 Minuten müssen sich die M.O.P.-Fans vor der Bühne 2 gedulden, dann bekommen sie den Knaller «Cold As Ice» um die Ohren geknallt. Das Rap-Duo Billy Danze und Lil Fame hat die Crowd sofort im Sack. Trotz grimmiger Miene wirken die beiden sympathisch – so sind sie halt. Fame ist ein Phänomen: Er hat dermassen grosse Grillz in der Fresse, dass er die Rapklappe kaum schliessen kann. Weiss jemand wie der tönt, wenn er mit leerem Mund spricht? Es folgt ein bodenständiges Konzert mit vielen Hits und Animationen – einziges Problem: So hat man die Mash Out-Posse in der Schweiz schon diverse Male gehört. Und neue Hits sind keine in Sicht. Wer aber – wie ich – darüber hinwegsehen kann, wird glücklich mit der alten Rohkost. Etwa mit «Ante Up». Der Banger bringt die Crowd um 18:22 zum Durchdrehen. Nach ein paar kürzeren Regenschauern blinzelt nun wieder die Sonne zwischen den Wolken hervor.

16:40 Einer der grössten französischen Raphits der letzten Jahre wird auf der Hauptbühne angestimmt: «Ca Fait Mal» von La Fouine. In Frauenfeld dargeboten in der Remix-Version von Soprano. Der Rapper aus Marseille gehört mit seiner legendären Crew Psy 4 De La Rime zu den Pionieren in Sachen Frenchrap (man sieht ihm sein «Alter» gar nicht an…der 32-Jährige könnte auch halb so alt sein). Auf den La-Fouine-Hit folgt «Dopé», die jüngste Single des aktuellen Soprano-Albums «Le Corbeau». Der Beat dazu wurde übrigens in der Schweiz produziert – vom Lausanner Produzenten J Fase (MXX). Das Soprano-Set endet mit «A La Bien» und «Hala Hala Pt. 2». Schade hat das Frauenfeld-OK dieses Jahr nicht mehr französischen Rap gebucht (Sniper z.B. oder Sefyu), dem Publikum hats nämlich gefallen.

15:15 Uhr: Big Boi auf Bühne 2. Er beginnt mit dem Outkast-Klassiker «Throw Your Hands In The Air». Kurz darauf folgen «Rosa Parks» und «So Fresh, So Clean». Ganz klar: Die Big-Boi-Show lebt zu grossen Teilen von den Outkast-Hits. Das ist okay, würde ich auch so machen. «We got so many hits in the catalogue», stellt Big Boi denn auch treffend fest. Dann gibts konsequenterweise «Miss Jackson». Hat der Herr eigentlich auch Solo-Tracks mit im Gepäck? Vermutlich sind sie ihm am Flughafen abhanden gekommen. Doch dann – oha – fragt Big Boi, wer sein neues Album kennt und er lässt die Crowd «new shit» skandieren. Den neuen Scheiss bekommt das gut gelaunte Publikum dann in souveräner Manier gereicht. Grösster Fauxpass des Outkast-Rappers: «Whats goin on Zürich?». Aber das passiert den Amis am Openair Frauenfeld regelmässig (z.B. auch Public Enemy am Sonntag). Das Wetter ist noch immer heiss und sonnig. Am Horizont zeichnet sich eine dunkle Wolkenfront ab – gegen eine KURZE Abkühlung hätte hier wohl niemand etwas einzuwenden.

14:50: Das neue Eminem-Signing Yelawolf entledigt sich seiner Kappe und präsentiert seinen Irokesenschnitt, dessen lange Strähnen ihm in Folge wie ein Vorhang ins bleiche Gesicht hängen. Der Rapper aus Alabama mit Metallica-Shirt ist nicht nur optisch, sondern auch raptechnisch eine Ausnahmeerscheinung. Seine Silbenmassakker sind von atemberaubender Geschwindigkeit – und sowas von geil. Der Wolf bellt tatsächlich. Yela ist on point, genauso sein scratchfreudiger DJ. Ein geniales Duo, das beweist, dass ein tighter Rapper und ein guter DJ in diesem Format ausreichen, um eine Frauenfeld-Crowd zu rocken. Diese honoriert das Dargebotene mit zünftigem Applaus.

Man war gespannt auf den gehypten Yelawolf. Und der Schlaks hat die Erwartungen mehr als erfüllt, finde ich. Bis jetzt der Samstags-Höhepunkt. Vor allem auch wegen dem hervorragenden DJ – einen solchen gibt es heutzutage bei US-Rappern leider nicht mehr all zu oft zu sehen. Um 15 Uhr fällt nach der Kappe auch das Shirt von Yelawolf und er präsentiert seinen voll tätowierten Torso. Einzig auf dem Rücken hats noch Platz…vorskizziert ist schon mal. Hinter Bühne 2 beginnen derweil die Tour-Dudes der Hamburger Spasskombo Deichkind damit, die Schlauchboote und das Trampolin für die Show vorzubereiten. Zuvor spielten übrigens die Cunnunlynguists aus Kentucky, welche wie gewohnt viel Liebe ernten in der Schweiz. Zu recht.

12:30: Die Zürcher Latin-Rapcrew Los Diablos del Cielo versprühen auf der Hauptbühne Orishas-Feeling. Solide Kost, eher für die Chicas als für die Roughnecks. Idealer Sound für den Samstagnachmittag. Sehr musikalisch, was das sympathische Trio bietet. Würd mich nicht wundern, wenn die einmal kommerziellen Erfolg hätten.

11:55 Uhr: «Ich ha grad kei Zyt für all dä Scheiss», schallt es von der Bühne 2, «und y bi glücklich eifach so». Es ist der letzte Track des Berners Tommy Vercetti, der den Konzertsamstag eröffnet an Stelle von LDDC. Diese hätten um 10.25 Uhr beginnen müssen, die Show der Zürcher wurde jedoch nach hinten versetzt wegen des verschobenen Snowgoons-Konzerts. Tommy macht seine Sache sehr gut: Unterstützt von seinen Backup-Rappern und Eldorado FM-Kumpels Dezmond Dez und Manillio sowie von einer grandiosen Liveband setzt er sein Album «Seiltänzer» (Pflichtkauf!) live um. So macht Schweizer Rap Spass. Und so wird er weitergebracht. Bei «Tupac Paris» erhält der Berner Unterstützung seines St. Galler Kumpels CBN. Nice. Das Publikum honoriert das zu früher Stunde Dargebotene ordentlich. Die Jungs habens verdient. Übrigens: Es ist heiss und die Sonne scheint. Von Regen kann – im Gegensatz zum Freitagabend – keine Rede sein.

So war der Freitag

Freitag 01:05 Uhr: Kool Savas stimmt «LMS – Lutsch mein Schwanz» an. Die Jungs im Publikum grinsen und grölen – sie erinnern sich wohl an 1999. Damals hat der Track den jungen KKS auf die deutsche Raplandkarte gebracht. Und da isser seither geblieben. Ganz oben sogar. Das beweist das Reimmonster auch in Frauenfeld, wo er – zusammen mit Samy Deluxe – quasi zum Inventar gehört. Unglaublich, was und vor allem wie S.A.V. live spittet: Maschinengewehrsalven und Flows, wie sie kein Zweiter im grossen Kanton hinbekommt (ausser vielleich Massiv…haha;). Neben den Stichflammen bei «Schwarz» gehören auch die Gastauftritte von Mitstreiter Olli Banjo zu den Highlights der Show.

Bei «Rhythmus meines Lebens» gibt es einen kurzen (eingeübten) Moment der Konsternation: Savas hält inne, weil das Publikum zu wenig mitzieht. «Das kann doch nicht sein? Wir sind Freunde!», findet er. Danach klappts dafür umso besser. Bei «Immer wenn ich rhyme» ist Hühnerhaut angesagt – der Song ist eine Hymne. Live erst recht. «Ich war ein bisschen nervös, weil ich hier als letzter Act spielen darf nach Snoop», gesteht KKS dann gegen Ende seines Sets. «Aber jetzt wollen wir die Scheissbude einreissen, wie es kein Ami gemacht hat heute.» Es folgt der Kollabo-Track «Techno Pilot» mit Olli Banjo. Das Publikum dreht auf Knopfdruck durch. Ein würdiger Abschluss eines gelungenen Konzertabends.

Gegen 23.30 Uhr: Das Konzert von Snoop Dogg beginnt mit einem Kurzfilm auf der Videoleinwand – wie gewohnt. Dann betritt allerdings nicht der schlaksige Rapper auf die Bühne, sondern ein tanzendes Hunde-Maskottchen – und Lady Of Rage. Sie war 1993 auf dem bahnbrechenden ersten Snoop-Album «Doggystyle» zu hören. Und genau diese Platte (sie ist soeben volljährig geworden – 18!) soll ja in Frauenfeld zelebriert werden. Als der Doggfather dann im weissen Outfit mit seinem aufgepimpten Mikrophon die Bühne betritt, gibts erstmal «Gin And Juice», gefolgt von «The Shiznit». Ein Einstand nach Mass. We like. Wer meint, wegen dem «Doggystyle»-Konzepts auf die etwas jüngeren Hits des 40-Jährigen verzichten zu müssen, hat sich getäuscht: der Dre-Klassiker «Next Episode» darf natürlich genauso wenig fehlen wie «P.I.M.P.» oder «Drop It Like Its Hot». Sogar ein Cover des House-Of-Pain-Gassenhauers «Jump Around» wird gespielt – ein Shure Shot.

Und dann, um 00:30 (endlich!) kommt mit «Who Am I? (Whats My Name)?» der Song, der Snoop berühmt gemacht hat. Ein weiterer Track der zeigt, warum «Doggystyle» damals (wie heute) so einschlug. Die Beat-Teppiche von Dr. Dre und Daz Dilliger, gepaart mit Snoops unglaublich leichtfüssigem Laid-Back-Flow und dessen erhabener Art sind einfach einzigartig. Grosses Kino. Um 0:43 dann ein ganz kurzer Hänger: Snoop Dogg spielt ein unsagbares Technolied. Dem Herr verzeiht man fast alles, aber das ist grenzwertig. Dann setzt er zu Na-na-na-na-Fangesängen an, wie wir sie von Fussballspielen gewohnt sind. Anschliessend ist Snoop fertig. Wir auch, fast. Nachtrag: Am Samstagmorgen kursieren Gerüchte, dass Snoop auch eine Liveband dabei hatte – sie soll hinter dem Bühnenvorhang gespielt haben. Obs stimmt?

Freitag 23 Uhr: Bushido auf Kuschelkurs mit dem Publikum. Mit «Für immer jung» verabschiedet er sich von den Fans in Frauenfeld. Unter tosendem Applaus. Das Konzert war eigentlich eine einzige Liebeserklärung des geschwätzigen Berliners – unterbrochen von ein paar seiner Hits. «Ich wandere glaub ich in die Schweiz aus», meint er, offenbar überwältigt von der Liebe, die ihm hier entgegengebracht wird. Da kann sich Bushido einen Seitenhieb ans Splash!-Festival nicht verkneifen: «Ihr habt gerade das Splash! in den Arsch gefickt», meint er nachdem er einmal mehr frenetischen Applaus geerntet hat. Das Splash! war Europas grösstes Rapfestival – bis dann Frauenfeld kam. Und, wie er sagt, ist Bushido zudem kein Freund des Festivals. Was es da wohl für ein Zerwürfnis gegeben hat?

Dass der Bushido-Backup-Rapper, Kay One, live so schlecht rappt, hätte ich nicht gedacht. Der Typ hatte sich doch technisch einen guten Ruf erarbeitet. Eigentlich. Ist halt nicht leicht, sich auf das Niveau seines Mentoren herunterzubremsen. Anyway, alles in allem ein solides Konzert mit sehr guter Stimmung und einem Rapper, der ein gutes Händchen für bombastische Beats hat. Ob Bushidos Charmeoffensive in der Schweiz auf einen Wandel zur softeren Seite des Ex-Aggro-Rappers hin deutet? Schliesslich hat er ja unlängst Friede geschlossen mit Konkurrent Sido und erklärt, dass er künftig weniger Stress haben will. Der Herr wird langsam bürgerlich…da könnte er ja wirklich in die Schweiz ziehen.

20:50: Soeben hat Ice Cube himself die Hauptbühne betreten. Bereits beim dritten Song stimmt der gesetzte Herr den N.W.A.-Klassiker «Straight Outta Compton» an: «Straight outta Compton, crazy motherfucker named Ice Cube…», Ihr wisst schon. Grandios. Es folgen diverse weitere Klassiker, aber auch (neueres) Füllmaterial.

19:35: Vor der Bühne 2 singen die Girls mit Taio Cruz den N°1-Hit «I’m Only Gonna Beak, Break Your Heart…» (das Saulied wird mich danach zwei Tage lang verfolgen). Passend dazu hat es aufgehört zu schütten und ein kitschiger Regenbogen lacht über den synthie-geschwängerten R&B-Pop, der über der Pferderennbahn schwubbelt. Nachdem die Typen Odd Future gefeiert haben, kommen nun also die Ladies auf ihre Kosten. Das Beste an Cruz ist sein englischer Akzent bei den raren Zwischenmoderationen. Eines muss man dem Herrn aber lassen: Er rockt die Crowd mutterseelenallein auf der riesigen Bühne. Das kann nicht jeder. Der Sound erinnert phasenweise an Eurodance, manchmal sogar an Dr. Alban. Ups, jetzt hats mich erwischt…ich habe aus versehen mitgepfiffen. «Dynamite» muss der vorgetragene Hit wohl heissen. Zum Glück ist das Konzert um 20.10 zu Ende und Taio Cruz verabschiedet er sich mit den Worten «thank you…enjoy the rest of your life». Schöne Punchline zum Schluss.

Gegen 18:50: Hodgy Beats und Left Brain (mit Spanner-Mantel und Hundekappe) von den momentan krass gehypten OFWGKTA (Odd Future Wolf Gang Kill Them All) betreten die Bühne. Die Jungs sind zum ersten Mal in der Schweiz, umso gespannter sind wir. Vor allem natürlich auf Rudelführer Tyler The Creator. Der Crowd vor der Bühne geht es ebenso – «Wolf Gang»-Chöre bereits vor dem ersten Ton. Dann humpelt Tyler mit Krücken und Gipsbein auf die Bühne. Notgedrungen nimmt er auf einem Barhocker Platz – er geht aber nicht minder ab wie seine Kollegen, zu denen sich inzwischen auch Mike G und Domo Genesis gesellt haben. Die Show ist kurzweilig. Logo, wenn sechs blutjunge Skaterboys aus LA fast über Nacht plötzlich auf der Hauptbühne in Frauenfeld stehen und die Sau raus lassen können. Von den Beats sind zwar fast nur die Bässe zu hören (sie bestehen auch aus fast nichts anderem). Und auch die Raps gehen im Durcheinander fast ein wenig unter.

Aber das ist komplett egal – was die Jungs bieten ist geil, weil man ihnen den Spass und Enthusiasmus ansieht. «I wish i could walk», bedauert Tylor seine Immobilität. Erst recht, nachdem Hodgy Beats von der Bühne ins Publikum springt. «That was cool», so der neidische Tylor. Gegen Ende des Konzerts, inzwischen hat Regen eingesetzt, humpelt Tylor schliesslich zum Bühnenrand – und gibt nochmals alles. Nach einer kurzen und schmerzlosen Verabschiedung spielt die Odd-Future-Djane (!) den Track «Earl» von Earl Sweatshirt. Als Andenken: Der Teenager wurde nach dem riesen Hype um OFWGKTA von der Mami kurzerhand in ein Internat in der Südsee verbannt – sagt man. Nächstes Mal ist Earl hoffentlich mit dabei. Dann wieder nach hinten: Bushido geistert bereits mit dem Zahnstocher im Mundwinkel im Backstage herum. Auch Kool Savas ist schon auf Platz.

17:30: Die Kalifornier von Far East Movement machen vor allem eines: Party. «Like a G6» heisst der grosse Hit der Elektro/Dance/Rap/Dingsbums-Crew mit asiatischen Wurzeln. Irgendwie wirkt das Kollektiv wie die Black Eyed Peas mit Schlitzaugen. Und wie bei BEP geht das Publikum auch bei Far East Movement ab wie ein Zäpfchen. Stimmungsmässig bis jetzt der Höhepunkt – wenn auch Geschmackssache. Das hätte auch gut um 3 Uhr nachts ins Afterparty-Zelt gepasst. Gegen 18 Uhr fallen (kurz) die ersten Regentropfen.

16:19: Atmosphere aus Minnesota rocken Bühne 1. Einer der wenigen Acts mit Liveband. Kommt gut – auch wenn es dem befreundeten Musikjournalisten «zu experimentell» war. Ein Rapkollege findet den Gig «nervig». Ich bin anderer Meinung: Vorne der charismatische Rapper, hinten die Band (das war nicht immer so), das könnte sich so einpendeln. Der Erfolg gibt ihnen recht. Was sonst noch bleibt? Slug-Zitate wie «I don’t feel good, too fucking hung over» oder «every woman looks better when she’s undressed» oder «You like to squeeze butts?». Ja!

15:45: «Slam!» schallt es von der Nebenbühne – die Schreihälse von Onyx sind im Haus. Und wie! Die Crew aus Queens gibt schon seit über 30 Minuten Vollgas – ebenso das Publikum. Die ganz verbissenen präsentieren stolz ihr Onyx-Tattoo (siehe Bildstrecke) und Rapper Sticky Fingaz nimmt ein Bad in der Menge. Während seine Bandkumpels Fredo Starr (neu v.a. Schauspieler) und Sonee Seeza (soll in Basel eine Freundin haben).

Ghetto-Phrasen dreschend hopst Muskelmonster Sticky Fingaz per Purzelbaum zurück auf die Bühne – welch ein Bild. Auch sonst lässt die Show der Crew nichts zu wüschen übrig, gibt es doch zahlreiche ihrer 90er Hits zu hören – von «Shut em Down» über «Raise it up» bis hin zu «Throw ya Gunz in the Air». Ein Segen für uns 90er-Kids. Während des Gigs präsentieren die drei Rapper ein «Madface» wie es ihr Bandmaskottchen besser nicht hinkriegen würde. Einzig mit Floskeln wie «Real HipHop» (das wissen wir doch – wir sind in Europa!) und «Rest In Peace To…» hätten sich die noch immer fitten Altmeister etwas zurückhalten können.

14:30: Los geht’s. Atlanta-Sänger und Produzent Ryan Leslie, zuletzt gehört z.B. auf dem jüngsten Kanye West-Album, rockt als erster dieses Jahr die Hauptbühne. Wobei: er soult sie eher. Locker flockige Kost, ideal für den sanften einstieg in ein anstrengendes Openair-Weekend. Für uns zu soft. Wir freuen uns auf eine geballte Ladung Hardcorerap aus Queens NYC: Um 15h spielen Onyx auf Bühne 2. Sie ersetzen Jay Electronica, dessen Gig am Royalarena Festival 2010 sowieso enttäuschte. Ryan Leslie schwenkt die Schweizer Fahne…das finden wir toll. Das Wetter ist übrigens heiss und sonnig. Ha! Auch Tyler The Creator wurde bereits gesichtet – Vodka trinkend.

Wer noch nicht genug hat: Hier meine Ticker zum Openair Frauenfeld 2010.


Brother Ali – Das Interview des Jahres (Video)

Es war eine meiner eindrücklichsten Begegnungen 2010: Das Bounce-Interview mit Brother Ali, einem zum Islam konvertierten Rapper aus Minneapolis. Selten habe ich einen Mcee so weise und bedacht reden (und rappen) hören. Der Herr scheint, trotz seiner nicht leichten Vergangenheit, mit sich im Reinen zu sein – dies strahlt er zumindest aus. Hier gibts das zweiteilige 24-Minuten-Interview nun erstmals als Video. Jede einzelne Minute lohnt sich…

«Ich habe meinen Namen von einer 6-jährigen Schülerin bekommen», erklärte mir Brother Ali während des Backstage-Gesprächs am Openair Frauenfeld im Juli 2010 (siehe oben). Zudem äusserte sich Ali ausführlich zu seinem islamischen Glauben und der Wahrnehmung der Moslems in der Welt (unten). Wenn alle Menschen so belesen, bedacht und tolerant wären, wie dieser Rapper, gäbe es wohl weniger Konflikte auf dieser Welt.

Als sehbehinderter Albino musste Brother Ali schon im Kindesalter erfahren, was es bedeutet, Aussenseiter zu sein – HipHop war sein Weg, um sich Respekt zu verschaffen: «Wenn man aufwächst und so aussieht wie ich, hat man zwei Möglichkeiten: Entweder man stärkt irgendwie sein Selbstbewusstsein oder man wirft sich vor den nächstbesten Bus,» erklärt er in einem lesenswerten Interview auf formatmag.com.

Kollege SimonAyEm war zudem so nett und hat einen Teil des Bounce-Interviews niedergeschrieben (danke!)…

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Podcast: Das Racist (Video) und MQ bei Bounce

Das Racist spielen gerne Schlagzeug auf der Bühne – ausser es steht keines da. Aha. Sie sind der neue 2Pac und bald werden sie zur Punkband. Super. Dies und noch mehr amüsanten Stumpfsinn erzählten die drei New Yorker im Bounce-Interview (hier der Podcast zur ganzen Sendung), das man sich am besten in Ton UND Bild antut. Enjoy…

Am Tag nach diesem herrlichen Interview wurden die Herren am Zoll in London wegen «Visa-Problemen» abgewiesen (irgendwie verwundert mich das nach diesem Interview nicht). Also ging es für unverrichteter Dinge zurück in die Schweiz, wo sie gemäss ihrer Twitter-Meldungen viel besser behandelt würden. Live sind Das Racist übrigens auch sehr unterhaltsam – auch wenn das Konzert etwas kurz war…

Hier gibts das sehr freshe Mixtape «Sit Down, Man» von Das Racist zum Gratis-Download. In der zweiten Bounce-Stunde kam MQ vorbei mit seiner neuen Free-EP «Sinn & Unsinn». Der Berner Rapper erklärte, warum es besser ist, Musik aus dem Bauch zu machen ohne viel nachzudenken.

Keine Zeit zum Bounce live hören? Den Podcast zur Sendung kannst du dir ganz einfach hier abonnieren. Die aktuelle Playlist findest Du auf Aightgenossen.ch.


Bounce-Podcast: Tinguely und das Goldwasser

Du kennst das neue Album von Tinguely dä Chnächt nicht? Selber schuld. Du hast am Donnerstag das Tinguely-Interview bei Bounce verpasst? Shame on you! Hier gibts das interessante Gespräch als Podcast zum nachhören – natürlich inkl. diverser Album Songs.

Und darum gings: Mir «Bar» hat Tinguely eines der besten Schweizer Rapalben des Jahres abgeliefert (neben Baze, Tommy Vercetti und Semantik). Bei Bounce blickte der Zürcher Rapper nochmals auf seinen viel beachteten Zweitling zurück. Und wir unterhielten uns über explizite Texte, Bligg sowie Goldwasser – ein Wort, das Missverständnisse verursachen kann. So auch bei einer Kollegin von Tinguely, dessen Einladung zum Bier bei der guten Dame falsch ankam.

Zudem zeigte sich «Blingeli» hoch erfreut über die gute Resonanz zu seinem neuen Album. Und er kündigte eine neue CD an: Im ersten Quartal 2011 soll ein gemeinsames Album mit dem Zürcher Rapkollegen Skor erscheinen – voll mit Songs, die innert kürzerster Zeit spontan entstehen und roh und dreckig daherkommen sollen. Daneben liess Tinguely seinen NY-Aufenthalt nochmals Revue passieren. Und er erklärte, warum sehr persönliche Texte für ihn das selbstverständlichste sind.

Keine Zeit zum Bounce live hören? Den Podcast zur Sendung kannst du dir ganz einfach hier abonnieren. Die aktuelle Playlist findest Du auf Aightgenossen.ch.


Hasen-Alarm bei Bounce: Tafs mit «Gschwäll»

Sie sehen sich als alte «Hasenimbiz». Sie kommen aus dem Oberbaselbiet und reden entsprechend. Sie sind die TAFS. Mit dem neuen Album «Gschwäll» war das Quartett bei Bounce – und es blieb kein Auge trocken. Es ging nämlich sehr, sehr gschwällig zu und her. «Gschwäll» ist Oberbaselbieter-Slang und heisst nichts anderes als «Gschwätz». Und darin ist die Bounce-Crew ja Weltklasse (hier gibts die gesamte Sendung zum Download).

Wenn also die Taz-Aman-Flink-Squad auf der Matte steht kommt es u.a. zu Szenen wie dieser: Bounce ruft die Hörer dazu auf, via Shoutbox Baselbieter Schimpfwörter (die wir auf dem Tafs-Album vermissen) zu nennen. Da aber nicht all zu viele zusammenkamen bezichtigte der unverschämte Taz, Preesi des Tafs-Vereins, das Radio DRS der Zensur. Bounce-Moderator Carl Funkster rettete die Ehre des Staatlichen Radiosenders jedoch tapfer mit dem Hinweis, dass es im Oberbaselbiet wahrscheinlich kein Internet gebe. Und so gings dann im ganzen Interview weiter – inklusive Accapella-Freestyle. Auch diesmal ist der Podcast ein absolutes Must! Nahmean? Hier gehts zur Playlist…

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Meine Fratze bei Lautstark auf Star TV

Neulich besuchte uns die charmante Stephanie von der Musikshow Lautstark im Virus-Radiostudio in Tsüri. Das Resultat könnt Ihr heute Dienstag um 19.30 Uhr auf Star TV gucken.
Geredet haben wir nicht über das Rücken-Tattoo der rosaroten Zora, sondern übers Radiomachen und vor allem natürlich über das Brandhärd-Album Blackbox. Die Wiederholungen laufen u.a. am Mittwoch um 10.30 Uhr und 14.30 Uhr.

Von links: Stephanie, Fetch, SimonAyEm, Johny, geile Siech…


Klassik und Elektro statt Bounce – dafür gibts zwei Podcasts

Weil DRS Virus heute Abend, zusammen mit DRS 2, unter dem Motto «Klassik meets Elektro» live (ab 20h) aus dem «Kulturcafé» Unternehmen Mitte sendet, gibts kein Bounce. Dafür habt ihr nun Zeit, die letzten beiden Shows nachzuhören – es lohnt sich nämlich. Am 30. September hatten wir Soundkolonee aus Rheinfelden live zu Gast. Die Aargauer erklärten im Interview u.a. warum sie sich in den letzten Monaten quasi verdoppelt haben und wieso es sage und schreibe gut zehn (!) Jahre gedauert hat, bis zum Debut-Album «Heb d’Frässi», das jetzt vorliegt. Hier gibts den Podcast dazu.

In der Woche zuvor, am 23. September, hatten wir zudem Heabros am Start. Der Basler KIS und der Badener N1zag Coolton präsentierten ihr Album «Soulfood», das hält was der Name verspricht: Nachdenkliche Texte über die endprechenden Beats. Vielversprechend, die beiden Newcomer! Überzeugt Euch selbst im Podcast. Die Playlists zu beiden Sendungen hibts wie gewohnt bei den Kollegen von Aightgenossen.ch.

PS: Curse hat soeben verlauten lassen, dass er seine Rapkarriere vorerst (?) beendet, um sich seinem neuen Projekt The Achtung Achtung zu widmen. Alles Gute, Mike, auf diesem Weg!


Bligg, der verstossene Sohn des Schweizer Rap?

«Bligg und das Ende des Schweizer Rap», heisst es im Titel eines Online-Artikels. Und dieser wird bereits kurz nach der Veröffentlichung heiss diskutiert – so wie sonst eher Stories mit ‚Ausländer‘-Themen diskutiert werden. Und Ihr wisst ja sicher, wie dort die Kommentare oft beginnen, nämlich mit: «Eigentlich habe ich ja nichts gegen…, aber…»

Also. Eigentlich habe ich ja nichts gegen Bligg, aber wenn einer der erfolgreichsten Schweizer Musiker der letzten Jahre den Kopf für das Ende des Schweizer Rap hinhalten soll, muss meine Wenigkeit natürlich seinen digitalen Senf dazugeben. Schliesslich ist mir Schweizer Rap ja nicht wurscht. Bligg ist nicht Schweizer Rap, er ist ein Schweizer Rapper. Und ein Biedermann, wie man liest…

Bligg ist mit seinem Biedermann-Image zum bekanntesten Aushängeschild des Schweizer Rap geworden. Da stellt sich die Frage, ob man dieses Genre nicht gleich ganz abschaffen sollte,

schreibt Michèle Binswanger (auch bekannt vom grandiosen Mamablog oder durch sieben Jahre alte Härd-Artikel). Schweizer Rap abschaffen?! Klar, eine typische Zuspitzung/Provikation eines Journis. Trotzdem stellen sich hier wohl viele die Frage: Gehört Bligg denn noch zum Schweizer Rap? Ich finde ja! Nur weil der bärtige Gölä-Kumpel nun – 15 Jahre nachdem er zum ersten Mal auf einem Tonträger zu hören war – im Musik-Mainstream den Ton angibt und zweifelsohne Pop-Musik macht (was ja keineswegs schlecht sein muss), heisst das doch noch lange nicht, dass er nicht mehr zur Szene gehört, in der er gross geworden ist und die er mitgeprägt hat. Jan Delay etwa ist in meinen Augen auch immer noch einer der krassesten deutschen Rapper, obwohl er seit Jahren ’singt‘ (i like). Rapper zu sein hat für mich auch immer etwas mit dem «Mindset» (wie Thorsten Fink sagen würde…FCB olé!;) zu tun, mit einer inneren Haltung. Und diese Attitude lässt man nicht so einfach fallen. Auch nicht, wenn man sich von seinem musikalischen Ursprung (weit?) entfernt hat. Wieso auch? M. B. verwundert das trotzdem:

Irritierend ist nur, dass er gewillt ist, auch als Biedermann an seiner Rapper-Pose festzuhalten.

Mich irritiert viel eher, dass Bligg exemplarisch für den Schweizer Rap sein soll und mit seinem Wandel zum Pop – der ja nicht unbedingt eine Abkehr vom Rap bedeuten muss – nun das Ende des Genres einläuten könnte.

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Unterwegs am Royal Arena Festival Pt. 2

Fazit zum Royal Arena Festival 2010: Insbesondere der hochkarätig besetzte Samstag hatte es in sich. Nachdem der schwedische Rapper Prop Dylan (für mich die Neuentdeckung des Weekends) um 18:30 Uhr die Bühne stürmte, jagte praktisch ein Highlight das nächste: Chali 2na überzeugte mit seiner unverkennbaren, tiefen Stimme und seiner charmanten Art. Masta Ace und Edo G zeigten (Bild oben), wie ein Rapduo zu funktionieren hat und begeisterten mit ihrem von Klassikern gespickten Set (mein Höhepunkt: Masta Ace mit der Auto-Hymne «Born 2 Roll»).


Evidence und Alchemist gaben sich spitzbübisch: Sie verkleideten sich mit Perücke bzw. Fischerkäppi als Cypress Hill und bedröhnten das Publikum mit «Hits From The Bong» (Bild oben)…köstlich. Die Boot Camp Clik (unten beim Shooting mit Lukas Mäder) liess sich für ihre Hits aus Bucktown feiern (Rapper Buckshot wollte gar nicht mehr von der Bühne weichen). Und Headliner Ludacris gab der Crowd, was sie wollte – nämlich Hits.

Eindrücklich war am Samstag auch die Aussicht von der über 20 Meter hohen Hebebühne, die extra 850km weit aus Deutschland angefahren wurde…Am Freitag überzeugten vor allem die Foreign Beggars mit ihrem energiegeladenen Konzert (Bild unten) sowie die beiden perfekt harmonierenden DJ/Producer-Mcee-Duos Freeway & Jake One bzw. Talib Kweili & Hi-Tek. Im Gegensatz zum Samstag war die Stimmung am Freitag etwas zurückhaltender, ebenso der Publikumsaufmarsch. Ob es am kurzen Platzregen lag oder an der Programm-Änderung (Boot Camp Click auf Samstag verschoben)? Positiv hervorhoben werden muss auch das Graffiti-Meeting von Freitag und das Breakdance-Battle am Samstag (jeweils nachmittags). Absolut lobenswert, dass die Organisatoren in Orpund alle Disziplinen der HipHop-Kultur berücksichtigen. Frauenfeld ist vielleicht das grösste Rap-Openair der Schweiz, Orpund hingegen definitiv das grösste HipHop-Openair – eingebettet in eine idyllische Umgebung. Auch die 11. Ausgabe des Royal Arena Festivals können die Organisatoren meiner Meinung nach als Erfolg verbuchen. Bis zum nächsten Mal.


Unterwegs am Royal Arena Festival Pt. 1

Der Freitag am Royal Arena Festival ist passé. Sido, Reflection Eternal (Talib Kweli & Hi-Tek), die Foreign Beggars sowie Freeway und Jake One setzten die Glanzpunkte. Es gab aber auch einen kurzen Moment des Schreckens…nachzulesen im Bounce-Blog auf virus.ch, wo Ihr – sofern das Wireless-Netz es zulässt – auch am Samstag am Ball bleibt. Hier gibts die Bilder vom Festival. Interview-mässig ist bisher Folgendes im Kasten: Foreign Beggars (UK), Sabac Red (Ex Non Phixion) und DJ Illegal (Snowgoons), Griot (u.a. zu seinem Rücktritt) sowie dieses neue Traumduo des HipHop…


Bounce feiert Sentinos-Comeback und pumpt Milchmaa im Ghettoblaster

Für alle Dudes, welche die letzten Bounce-Sendungen verpasst haben: Vergangenen Donnerstag hat SENTINO aka SENTENCE bei uns seine Comeback-Pläne konkretisiert. Geplant sei ein Mixtape unter der Leitung von Berns Beatbastler N°1 Sad mit diversen Top-Rappern aus der Schweiz, danach will der «Berliner Weisse mit Schuss» von der Schweiz aus mit einem neuen Album wieder ins deutsche Rapbiz eingreifen – und das alles, nachdem er 2008 frustriert den Rückzug aus dem Deutschrap bekannt gegeben hatte. Zum Glück hat er es sich nun anders überlegt. Zur Feier des Tages präsentierte Senti zwei neue Songs sowie 32 exklusive Live-Zeilen…alles nachzuhören im Podcast. Und dann – hohoho – war da noch dieser Milchmaa bei uns…

Nice, he?! Bounce pumpt seit rund zwei Wochen die «Jugo Tempo Boombox Vol. 1» von Milchmaa und DJ Redrum. Das Gratis-Mixtape von einem der vielversprechendsten Rapper im Lande gibts hier zum Download (Empfehlung!). Der Churer huldigt auf dem Mixtape den Plattenkisten seiner Eltern und bereichert Sound aus Ex-Jugoslawien mit seinen Raps – einmalig und so noch nie gehört…das ist originell meine lieben Ami-Beat-Langweiler! Milchmaa war am 5. August bei uns zu Gast. Das horizonterweiternde Interview gibts hier. Und dort gibts die Playlists zu den beiden Shows sowie die vergangenen Podcasts…

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Podcast & Playlist: Bounce vom 22. Juli

Ausnahmsweise keine Gäste, dafür Sound vom feinsten gabs gestern bei Bounce. Nachdem ich Kollega Simon die erste halbe Stunde im Stich gelassen habe, weil ich in Basel noch diesen BaZ-Artikel über einen deutschen Weltrekord-Radler fertig schreiben musste, liessen wir das grandiose Openair Frauenfeld Revue passieren – inklusive zahlreicher Live-Mitschnitte. An dieser Stelle sei zudem nochmals auf mein Frauenfeld-Tagebuch hingewiesen.

Die Playlist sowie die Podcasts der letzten Sendungen gibts hier…

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Video: Olli Banjo im grossen Bounce-Interview

Damit das wunderbare Bounce-Gespräch mit Olli Banjo nicht vom Sommerloch verschluckt wird, präsentiere ich hiermit stolz das ausführliche Video-Interview mit einem der besten Rapper aus Deutschland. Im ersten Teil redet Olli Balboa über sein neues Album «Kopfdisco», loyale Fans («Der Lohn für die Jahrelange harte Arbeit») und Kollege Kool Savas («Der beste Rapper mit dem ich bis jetzt gearbeitet habe»).

In der Fortsetzung des Gesprächs erklärt Olli Banjo, wie er Xavier Naidoo zum rappen gebracht hat (oder eben nicht). Zudem redet er über seine Handy-Abhängigkeit, seine jeweils sehr speziellen Album-Cover und sein geplantes Rockalbum «Dein Freund», auf dem Olli alle Instrumente selbst einspielt, ausser das Schlagzeug («Rockmusik ist 10 mal so schwierig, wie Rap zu machen»).

Daneben erfahren wir, dass die neue CD «Kopfdisco» um ein Haar «Der Agitator» oder «Liebe und Parolen» geheissen hätte (diese Titel hätte ich vorgezogen) und welche Rapper er ins deutsche «Rapgremium» wählen würde. Hier gibts die ganze Sendung inklusive des Olli-Banjo-Interviews. Ollis neues Album «Kopfdisco» ist übrigens alleine wegen krassen Texte, Flows und Wortspiele ein Pflichtkauf.

Nikkel The Wicked aka das «Übelkind»

Am 24. Juni besuchte uns zudem Nikkel The Wicked (3. v.r.) mit seiner neuen EP «Übelkind» (Podcast hier). Und der Rapper aus Grenchen kam nicht alleine, wie das Erinnerungsbild beweist…

Die Podcasts zu den vergangenen Sendungen


Openair Frauenfeld – das Tagebuch…

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, hatte ich dieses Wochenende die grosse Freude, für DRS Virus vom Openair Frauenfeld zu berichten. Hier das gesamte Protokoll von Freitag bis Sonntag. Viel Spass beim Lesen.

Es war heiss, das Open Air Frauenfeld. Dizzee Rascal, Eminem, Raekwon und Jan Delay waren einige der Highlights 2010. Haushoch überragt hat jedoch der bestens gelaunte Jay-Z mit seinem denkwürdigen Auftritt.

Sonntag, 14:30 Gopf. Da will man eigentlich Feierabend machen und dann das: Die hinreissende Ebony Bones stürmt mit ihrer farbenfrohen Band die Bühne und überzeugt von der ersten Sekunde an! «Knallbunt, wild, überdreht, eigenwillig, störrisch und exzentrisch» sei die Londonerin, heisst es absolut treffend auf der Frauenfeld-Page – neben der charismatischen Londonerin wirkt Lady Gaga wie ein billiges Flittchen. Der Gig gleicht einer Zirkusvorstellung, geboten wird ein Mix aus Tribal, Punk, Varieté und Indierock…sofern man das Dargebotene überhaupt einordnen kann/will. Ich geb mir jetzt noch ein, zwei Songs und mach mich dann vom vertrockneten Acker. Sorry, Diams, tschuldigung Fanta 4…ich mag nicht mehr. Bis nächstes Jahr. Peace.

13:40 Seit rund 20 Minuten rockt Brother Ali die Bühne 2. Auch wenn der Independent-Rapper (Rhymesayers) für viele bisher (leider!) unbekannt sein dürfte, hat der charismatische Herr aus Wisconsin das leider etwas spärlich vorhandene Publikum (zu heiss, alle schon auf dem Heimweg?) mit seiner offenen Art rasch auf seiner Seite. Brother Ali sticht aber nicht nur wegen seiner durchdachten, persönlichen Texte aus der breiten Mcee-Masse heraus, auch seine Erscheinung und seine Geschichte sind eindrücklich: Ali ist ein weisser Albino, der mit 15 zum Islam konvertierte und sich wegen seiner Andersartigkeit schon bald in der Black Community bewegte. Seinen Namen erhielt Brother Ali übrigens von einer 6-jährigen Schülerin, wie er im Bounce-Interview erklärt (das ausfühliche Interview gibts in einer der nächsten Shows).

12:00 Superschwiizer Gimma beendet seinen von Gästen gespickten Gig und zeigt sich von der rockigen Seite – kommt gut mit Liveband. Zuvor hat der ‚Skandalrapper‘ zahlreiche Kumpel und Weggefährten auf die Bühne geladen…Semantik, Gerard MC, Cigi, OBK, Ds Quartier sowie meine Wenigkeit, um nur einige zu nennen. Trotz der Auftrittszeit (ab 11:00) haben sich erfreulich viele Leute vor die Bühne getrollt – darunter auch ein überdimensionaler Plastik-Penis. Grandios.

Das war der Samstag

01:30 Eimsbüttel am Start. Zum sechsten (!) Mal in Folge steht Samy Deluxe in Frauenfeld auf der Bühne (Samy: «Ich gehör hier fast schon zum Mobiliar»). Nach dem Jigga-Auftritt hats der «deutsche Jay-Z», wie er von Fans schon genannt worden sei, nicht leicht. Der Hamburger meistert dies aber mit seinen unfickbaren Skillz und mit seiner Tsunami-Band aber souverän. Nach wenigen Songs erhalten die Mannen Unterstützung von Jan Delays Bläser-Sektion. Und kurz darauf humpelt auch der angeschlagene Jan Delay (Fuss verstaucht, oder so, siehe unten) himself auf die Bühne. Er scheint offensichtlich bereits die ein oder anderen Schmerzmittel zu sich genommen zu haben;) Und stylisch gekleidet ist er auch wieder, auch wenn er das babyblaue NY-Cap dem Schreiber abgeguckt hat. Dieser Fauxpass sei ihm dank seines grandiosen Auftrittes verziehen.

00:55 Mein Gott, was für ein Konzert! Jay-Z hat soeben die Bühne verlassen und zuvor in rund eineinhalb Stunden klar gemacht, warum er zu den besten Mcees alive gehört. Mit vornehmen 30 Minuten Verspätung hat der gute Herr gegen 23:30 die Bühne betreten – und zwar ohne grosses TamTam oder langwierige Extra-Intro-Show. Einfach Hallo-da-bin-ich-Style…sehr sympathisch. Jigga muss eh niemandem mehr etwas beweisen – er macht es aber trotzdem. Die Anfangsphase bewältigt Jay-Z alleine mit seiner hervorragenden Band. Jedes Wort ist glasklar gerappt. On point. Backup-Rapper Memphis Bleek stösst erst später dazu und anders als etwa bei Eminem (um das prominenteste Beispiel zu nennen) hat man hier nicht das Gefühl, dass Sean Carters Sidekick ihm dazu dient, Schwächephasen zu überbrücken, sondern dazu, den Meister weiter anzustacheln. Das Publikum hat der New Yorker vom ersten Takt an hinter sich. Und als Jay-Z sich lachend der Sonnenbrille entledigt und minutenlang Aug in Aug mit einzelnen Leuten aus dem Publikum kommuniziert (happy B-Day Roxanne; ), schmelzen die Damen vor mir dahin. Der alte Charmebolzen…kein Wunder, dass auf ihn Beyoncé im Backstage wartet (Madame hat sich übrigens nicht auf die Bühne bequemt…but who cares?). Die ausgesprochen gute Laune von Jigga ist ohnehin bemerkenswert. Der Herr legt so eine Eigenschaft an den Tag, die man bei viel zu wenigen Rappern seines Kalibers sieht: Spielfreude! So springt natürlich auch der Funke aufs Publikum über. Auf die einzelnen Hits einzugehen, würde hier wohl den Rahmen sprengen…nur soviel: er hat sie (fast) alle gespielt. Puh, ich bin noch immer völlig euphorisiert. Ein überwältigender Auftritt, der wohl so schnell nicht wieder getoppt wird. Und dies alles von einem Rapper, der sich eigentlich vor sieben Jahren aus dem Rapgame zurückziehen wollte. Ein Glück hat er es sich anders überlegt.

22:40 Hühnerhaut-Moment: I AM spielen «Petit Frère», das Publikum rappt laut mit…ab vor die Bühne. 22:35 Star-War-Time: I AM fuchtelt mit Laserschwertern auf der Bühne rum, «L’empire du côté obscur» ist angesagt. Geil. 22:30 Wieder ein legendärer Act auf der Nebenbühne: I AM rocken das durch sanften Regen erfrischte Publikum. Jeder neu angespielte Klassiker wird mit Jubelschreien begrüsst. Rapper Akhenaton beweist Mut und demonstriert Solidarität mit der französischen Fussball-Nationalelf indem er deren Trikot trägt. Ein sympatischer Auftritt der Jungs aus Marseille. Die Germanen haben derweil an der WM Platz 3 geholt. Gratulation.

22:15 Insider-News: Jay-Z hat anscheinend Beyoncé mit im Gepäck. Man munkelt von einem Gastauftritt…noch 50 Minuten.

20:50 Oha. Apokalypse now in Frauenfeld…Wind, starker Wind, und dunkle Wolken kündigen ein Gewitter an. Was solls, Jan Delay rockt wie Sau und das Beste: Der Hamburger ist zwischen den Songs fast noch unterhaltsamer, als während des Musizierens. Ein grandioser Entertainer halt. Hier ein paar Beispiele: «Ein Freund von mir ist Pfarrer in einem kleinen Minarett hier um die Ecker, der hat diesen Beat gemacht…» oder «mein linker Fuss ist verletzt, Kevin Prince Boateng ist mit auf dem Weg zur Bühne in die Beine gerutscht» (die Fussverletzung wird zum stylischen Running-Gag der Show). Und auch den Fussball vergisst der verspätete Jan nicht: «Danke, dass ihr hier seid und nicht beim Fussball (Deutschland tschuttet grad gegen Uruguay, Anm. d. Red.), ich bin euch Schweizern eh dankbar, dass ihr diejenigen Gedemütigt habt (die Spanier, Anm.), die uns demütigten». Der beste folgt aber gegen 20:15…das Publikum spurt nicht und Jan droht, das gesamte Culcha Candela Konzert zu wiederholen. Danke für diesen Humor. Jay-Z ist inzwischen – vermutlich mit Beyoncé im Gepäck – im Helikopter über das Gelände geknattert (bei dem Wind!) und hinter der Bühne gelandet. Die Spannung im Backstage steigt.

20:25 Ein exzellent gelaunter und wie immer superfresh gestyler Jan Delay (rosa Hemd…ja, er darf das…und babyblaue Hose zum weissen Hut) betritt die Bühne während sich dahinter ein apokalyptisches Gewitter zusammen zu brauen scheint. Erster Track: «Rave against the Machine». Es folgen superoriginelle Versionen von «Türlich, türlich» (über Cameos «Word Up»), Ushers «Yeah» (mit dem Text von «Gustav Gans») und «Backstreets Back» (lol=). Schön, dass auch ältere Beginner-Texte wiederverwertet werden…zum Beispiel den vom grandiosen Klassiker «Füchse».

19:55 Der Chef Raekwon rockt seit gut einer Stunde die Bühne 2 – und haut uns Wu-Tang-Klassiker um die Ohren, bis wir Hühnerhaut bekommen. Und mit «Wu-Tang-Clan ain’t nothing to fuck with» als Starter kann man fast nichts mehr falsch machen – auch wenn man das Publikum mit «Swissland» begrüsst. Zugegeben, wir Bouncer sind wegen unserer musikalischen Sozialisation (90ies) etwas vorbelastetdoch was Rae da vom Stapel lässt, reisst mit…inklusive der neuen Tracks wie «House of the flying daggers». Knochentrockene Wu-Beats, ein DJ, ein Backup und ein angesichts seiner stolzen Leibesfülle erstaunlich fitter Reakwon, das sind die Zutaten für eine klassische, simple Rapshow. So einfach sind wir zufrieden zu stellen;) Einziger Minuspunkt: Die langen Pausen zwischen den Tracks, die den Konzertfluss stören. Aber mit diesen Klassikern im Gepäck darf man das. Raekwons Konzert ist für uns der bisherige Höhepunkt am Samstag, der das Grauen auf der Hauptbühne von zuvor vergessen macht. Ach ja, die beiden mutigen Typen im neongrünen Borat-String waren auch nicht schlecht;)

17:45 Die Boygroup Culo, ääh Culcha Candela, hat die Show begonnen. Die Frauen im Publikum toben, wir halten uns hier mit weiteren Kommentaren zurück. Man liest sich wieder ab 19 Uhr…dann kommt Raekwon. Yeah!

17:30 US-Hype/Newcomer Wale hat soeben seinen durchzogenen Gig beendet. Auch bei ihm hat sich die Hitze merklich auf Publikum und Performance ausgewirkt. Phasenweise wirkte der Rapper mit nigerianischen Wurzeln etwas uninspiriert. Dass Wale aber zu den besseren Rappern gehört, war definitiv nicht zu überhören. Vielversprechend für die Zukunft, dann aber bitte nicht mehr mit einer Standard-US-Rapshow.

16:20 Es ist zu heiss! Vor der Hauptbühne tummeln sich ein paar wenig hundert Hartgesottene und unterstützen tapfer Marcello D2, der mit seinem brasilianisch-portugiesischen Rap für Latino-Flair sorgt. Der Herr ist zu bemitleiden – er schlägt sich tapfer und bietet eine ansprechende und unterhaltsame Show, doch die Hitze lähmt die Leute. Nach dem ansprechenden CH-Rap-Morgen scheint der Nachmittag zudem eher schwach besetzt zu sein. Nicht, weil die Bands schlecht wären, sonden, weil die Leute diese schlicht und einfach nicht kennen. 15:55 Konkurrenz für den Virus-Beatbox-Roboter Knackeboul? Der Backup-Rapper des brasilianischen Rapstars Marcello D2 unterhält mit einer erfrischenden Beatbox-Einlage und beweist, dass er mit seinem Stimmspektrum wohl ohne weiteres auch als Opernsänger agieren könnte. Cool, auch wenn gewisse Soungs des Beatbox-Medleys etwas ausgelutscht sind (Seven Nation Army u.a.).

15:00 Eingängige Töne auf der Nebenbühne. Die Irie Révoltés unterhalten das überhitze Publikum mit einer süffisanten Mischung aus Reggae, Ska und HipHop. Die Heidelberger scheinen der Crowd zu gefallen mit ihren deutschen und französischen Texten, allerdings wirken die sieben Jungs irgendwie wie eine Light-Version von Culcha Candela (…Seed für Arme;) – und das ist kein Kompliment. Auf Dauer wirken die Anti-Nazi-Parolen – trotz guter Absicht – leider ziemlich unsympathisch.

14:00 Charmeoffensive aus Australien: Auf der Hauptbühne spielt Blue King Brown aus Melbourne Soul und Roots-Reggae mit der betörenden Sängerin Natalie Pa’apa’a. Letztere mit stylisch geschminkter Augenpartie. Genau das richtige für die heisseste Zeit des Tages.

13:00 Das Publikum grölt zum tausendsten Mal «Seven Nation Army» der White Stripes (Na NaNaNa NaaaaNaa)…Greis hat soeben sein abwechslungsreiches Konzert beendet. Als ob der Berner selber nicht genügend vielseitig wäre, serviert er dem Publikum zahlreiche Gäste: Der Südafrikaner Rogue-State-Alliance-Sänger/Rapper Crosby bei «Myekeleni» (Hühnerhaut-Track), Baze bei «Teil vom Problem» und Manillio bei «Nie ganz verby», bei dem der Solothurner die Lücke von Akhenaton füllt, der auf der Album-Version des Songs mit drauf ist. Schade, dass Akh nicht persönlich vorbeigekommen ist. Er steht mit I AM erst um 21:45 Uhr auf der selben Bühne. Freudige Ankündigung am Rand: «Das neue Baze-Album kommt im Herbst», verkündet Greis. 12:15 Der Chlyklass-Rapper stimmt «So leid» an. Die Sonne brennt auf das gutgelaunte Publikum. Der Berner mit Sonnenbrille und Velokurier-Käppli startete seine Show mit «Mitti vom Orkan», gefolgt von seiner Kapitalismus-Brandrede «Global», dem ersten Greis-Hit. Der Musiker zeigt schon in der ersten Viertelstunde sein ganzes Sound-Spektrum: Accapella-Einlagen, Gesang, Freestyles und technisch versierte Raps. Alles natürlich mit DJ Claud (Sektion Kuchikäschtli) und Drummer JJ Flück im Gepäck. Nice und sympathisch. Das Publikum ist bereits sehr zahlreich am Start.

11:30 Das erste Konzert auf der Hauptbühne nach der grossen Show von Marshall Mathers läuft. «Krass, Eminem war quasi unsere Vorgruppe», flunkert Bandit ins Mic. Zusammen mit seinem Luut-und-Tüütli-Kollegen DJ Aldäwaldä rockt der Glarner die Crowd. Shukos Beats vom aktuellen Bandit-Album brettern knackig durch die Boxen. Erstaunlich: Die Morgenkonzerte klingen akustisch besser, als die der Big Names in der Nacht zuvor. Vielleicht, weil man den ganzen Morgen Zeit für den Soundcheck hatte?;)

11:00 Die Ufojugend ist bereits wieder auf dem Beinen und unterstützt Larry F beim ersten Samstagskonzert. Die Akustik ist bestechend und Larrys Liveband eine echte Bereicherung. Blickfang: Das Bühnenbild mit plakativen silber-schwarzen Graffiti-Buchstaben im Streetbombing-Style. I like.

So war der Freitag

Mit Dizzee Rascal, Eminem und Nas & Damian Marley. hat das Publikum am Freitag diverse Höhepunkte feiern dürfen. Aber es gab auch Enttäuschungen. Hier die Übersicht…

00:40 Endlich. Nas und Jr. Gong beginnen mit Verspätung den heisserwarteten Gig mit dem Instant-Classic «As we enter» (mit was sonst?;), gefolgt vom grandiosen «Nah Mean». Nicht schlecht, da werden zwei der stärksten Songs vom gemeinsamen Album «Distant Relatives» gleich zu Beginn verbraten. Mutig. Es folgt ein kurzes Medley aus Nas-Hits (Street Dreams, If I Ruled The World, HipHop is Dead u.a.) bevor Jr. Gong für «Leaders» und weitere Kollabo-Tracks wieder ans Mic tritt. 00:30 Rap meets Reggae. Nas und Damian Marley lassen sich die 100 Meter vom Backstage zur Bühne fahren.

00:25 Durchatmen. Eminem hat sein Konzert mit der Zugabe «Lose Yourself» beendet nachdem er sich mit «Not afraid» innig bei seinen Schweizer Fans bedankt hatte. Ein insgesamt grundsolides Konzert, das akkustisch aber immer wieder absackte. Wohl auch wegen der vielen Soundquellen (Liveband, DJ, Stimmplaxback etc.). Eminems Stimme klang teilweise wie vom Winde verweht.Trotzdem, das Charisma von Mr. Marshall Mathers überstrahlte jede Sound-Baisse und wenn Em mit starrem Blick und ohne die oft störenden Playback-Stimmen während seiner Rap-Parts «Stan» performt, kommt Hühnerhautfeeling auf. Der zu erwartende Gastauftritt von D-12 beschränkte sich zum Glück auf wenige Songs. In Punkto Energie konnte Eminem die von Dizzee Rascal sehr hoch gelegte Messlatte kaum toppen. Dennoch war es eindrücklich, einer der besten und grössten Rapper alive in Fleisch und Blut zu sehen. Ein Mcee, der sich seit Ewigkeiten nicht mehr für ein Konzert in Europa gezeigt hat und der zerbrechlicher wirkt als auch schon. Bleibt zu hoffen, dass Eminem seinen momentanen Output aufrecht erhält und sich wie auf «Recovery» weiter auf seine Wurzeln besinnt. Das Frauenfelder Publikum, das ihren Helden frenetisch gefeiert hatte, würds bestimmt freuen.

22:50 Die Eminem-Show hat begonnen. Erster Track: «Won’t back down» mit dem Pink-Refrain ab Konserve. Zweiter Song: «3AM». Bereits vor Konzertbeginn transportierten Sanitäter die ersten kollabierten Fans hinter die Bühne. Während des Gigs wird es so weiter gehen.

22:30 Whoa. Abriss. Dizzee Rascal hat soeben um 5 Minuten überzogen (zum Glück!) und der durchdrehenden Crowd die Hits «Holiday» und «Bonkers» um die Ohren geknallt. Was für ein Auftritt. Auch dem Künstler scheint es sehr gefallen zu haben. Jetzt muss sich Eminem aber ins Zeug legen, um das nochmals zu toppen.

21:40 Elektrorap ist angesagt: UK-Rapper Dizzee Rascal rockt mit roughem Grime und Dubstep die Nebenbühne. Souverän und voller Energie, wenn auch mit wenig Publikums-Interaktion. Das Publikum tobt. Vor der Hauptbühne gibts per Lautsprecher die ersten Ermahnungen: Alle Wartenden sollen 5 Meter zurücktreten, damits kein Drama gibt, wenn Eminem dann in gute einer Stunde loslegt.

20:40 «Nach dem Konzert geh‘ ich direkt ins Spital», verkündet Stress dem entzückten Frauenfelder Publikum – mit seinem Franko-Deutsch hat der Lausanner das Deutschschweizer Publikum wie gewohnt sofort im Sack. Eine gute halbe Stunde zuvor humpelte Stress mit Krücken auf die Hauptbühne. Um ein ein Haar hätte er, wie Jubaira in der Anmoderation verkündet, das Konzert wegen seiner Rückenbeschwerden abgesagt. Doch «das beste Europäische Rappublikum» möchte sich Stress nicht entgehen lassen, wie er verlauten lässt. Und so rockt der Rapper die Crowd, wenn auch mit ein bisschen weniger Körpereinsatz als sonst. Um so grösser ist die Unterstützung der gewohnt souverän agierenden Band, von Backuprapper Nega und der Sängerin Karolyn. Die Lenny-Kravitz-Einlage des Gitarristen wirkt aber etwas überflüssig. Beeindruckend ist die Abendstimmung über den Äckern neben der Bühne.

20:15 Die australische Band Hilltop Hoods beendet ihren vielbejubelten Auftritt auf der Bühne 2. Wie vergangenes Jahr (als die Band eine der VIRUS-Entdeckungen war) hat das Kollektiv auch 2010 die Sympathie der Schweizer gewonnen – und vor allem auch der Schweizerinnen. «Denn schlussendlich machen die Rap für Frauen», findet Bounce-Host Simon mit einem Augenzwinkern.

18:25 Auf der Hauptbühne tummelt sich immer noch D-12…wieder einmal ein passendes Beispiel für Amic-Acts, die es in dieser Form live NICHT braucht! Geboten wird lustloses Gespitte, Gastauftritte von unbekannten No-Names (who the fuck is Maestro?) sowie die üblichen Hands-Up-Floskeln. Das Publikum macht artig mit. Kein Wunder lässt Eminem seine Bandkollegen alleine auftreten. Könnte es sein, dass die Organisatoren Eminem nur mitsamt seiner D-12-Entourage buchen durfte? Und: Gunshots sind irgendwie so was von played out. 18:03 Der DJ von D-12 nervt seit gefühlten 100 Minuten mit einem Mash-Up diverser Raphits…bei den Europäern kommt diese billige Masche aber nicht besonders gut an. Doch oha, endlich betreten die Rapper des dreckigen Dutzends die Bühne…leider (noch?) ohne Eminem. Bizarre wird mit frenetischem Applaus begrüsst.

17:15 Clipse-Ersatz T.O.K. heizt auf der Nebenbühne mit jamaikanischem Dancehall ein. Nach dem fulminanten K.I.Z.-Gig wirken die die sieben Jungs der «worlds greatest reggae-band you’ve ever seen», wie sie auf der Bühne verkünden, aber ein wenig lau. Zuvor sollen T.O.K. dem Deutschen Rapper Casper – gekleidet in seehr engen Hosen – im Backstagebereich ein zärtliches «Battyboy» hinterhergeraunt haben.

16:30 Wow! K.I.Z. reissen alles ab und das Publikum dreht mit ihnen durch – ohne Rücksicht auf Verluste.…«schliesslich habt ihr Schweizer ja eine gute Kranken- versicherung», finden die derben Jungs in ihrem berühmt-berüchtigten Humor. In schwarzen Ganzkörperanzügen haben die Berliner fünfzehn Minuten zuvor die Bühne betreten, bewaffnet mit einer Art Mega-Feuerlöscher auf dem Rücken. Zu ihrem eigenen Wohl haben sie sich nach dem ersten Track ihrem Ghostbuster-Kostüm entledigt. Es folgen Hexenverbrennungs-Hymnen und ein «Hurensohn»-Mashup über Jay-Z’s «Hard Knock Live» – grandios.

14:00 Die Bündner Rapcrew Breitbild entjungfert vor vollen Rängen und bestgelauntem Publikum die Hauptbühne.


Bounce schwitzt in Frauenfeld

Sonne, Schweiss und Rap. Das Openair Frauenfeld ist in vollem Gang. Die Bounce-Crew berichtet live von Europas grösstem Rapfestival…hier gibts die aktuellsten Infos und Bilder. Voila ein paar Eindrücke der Backstageführung, die ich am Samstag für die SF-Musicnight machen durfte. It was fun.


Playlist & Podcast: Red Gee (TNN) bei Bounce

Gestern bei uns zu Gast: Der Basler Rapper Red Gee, Rhymepartner von Kalmoo bei der Kultcrew TNN. Auf seinem neuen Album «Red wär?» präsentiert sich Red Gee straight wie eh und je. Hier gibts die ganze Sendung inkl. ausführlichem Interview als Gratis-Podcast. Und hier gibt es die Podcasts der vergangenen Shows sowie die aktuelle Playlist…

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Bounce-Update: Semantik, Mundartisten, Brandhärd, Steff La Cheffe und Breitbild

Zeit für die Bounce-Podcasts und Playlists der letzten Wochen…schliesslich hatten wir alles Hochkaräter am Start (ausser Brandhärd, natürlich;) Beginnen wir mit vorgestern: Semantik und die Mundartisten live im Studio (hier gibts die Sendung als Gratis-Download!). Das heisst konkret: einer der besten Rapper aus Zürich – Sema, bien sûr – mit dem bisher geilsten CH-Rapalbum des Jahres – Molotow (VÖ 11. Juni 2010) – redet über Karma, Charisma und sein feines Händchen für bomben Beats. Hier präsentiert der Capo stolz sein Airbrush-Shirt von der Basler Graffiti-Legende Kron

Und nach «em Züribus» steppte einer der besten eidgenössischen Freestyler – Knackeboul – hinters Bounce-Mic und untermauerte seinen Ruf ein weiteres Mal…

Zudem stellte Knackeboul zusammen mit seinem Bandkollegen Chocolococolo das neue Mundartisten-Album «M» vor, eine facettenreiche Scheibe «mit Ecken und Kanten». Und so sah die heitere Elefantenrunde gestern aus…

Die Woche zuvor war Brandhärd (Inzest-Alarm!;) zu Gast. Das bedeutet konkret, dass wir (Johny and me) uns in die eigene Radiosendung eingeladen haben. Als ob das nicht genug der Unverschämtheit wäre, liessen wir uns von Gastmoderator Spooman interviewen – schliesslich können/wollen wir uns ja nicht selber befragen (Hier diese Show als Download).

Eine weitere Woche davor, am 27. Mai, kams bei Bounce zum Gipfeltreffen: Chartstürmerin Steff La Cheffe besuchte uns mit ihrem souveränen Debutalbum «Bittersüessi Pille» im Gepäck (Show hier Saugen). Danach kamen die Breitbild-Rapper Hyphen und Andri vorbei – mitsamt der neuen B’bild-CD «Was für a Moment»

Puh, hier nochmals die Podcasts der letzten Sendungen im Überblick (die Playlists dazu gibts hier):

BOUNCE vom 10. Juni 2010: SEMANTIK und MUNDARTISTEN

BOUNCE vom 03. Juni 2010: BRANDHÄRD (interviewt von Spooman)

Bounce vom 27. Mai 2010: STEFF LA CHEFFE und BREITBILD


Video: Olli Banjo zum heutigen Konzert in Basel

Zwei Reimemonster sind in der Stadt: Olli Banjo und Kool Savas stürmen heute Abend die Bühne im Kleinbasler Volkshaus. Und wies der Zufall so will, erscheint heute auch das vierte Olli-Banjo-Album Kopfdisco. Es gibt also gleich zwei Gründe zu feiern. Doch hört selbst, was der Herr Otubanjo zum Gig und zu seinem Album zu sagen hat…

…das ganze, rund 20-minütige Interview mit Olli Banjo gibts demnächst bei Bounce auf DRS Virus. Jetzt aber ab in Richtung Volkshaus. Der Tourbus steht jedenfalls schon bereit…

Et voila: Das Plakat zum heutigen Konzert. Und – noch viiiel wichtiger – das superfreshe Plakat zur Sneakerbox Vol. 10 vom Sa. 5. Juni! Mad Props an Johny, Stofi und Nadja für den originellen Sneaker-Cocktail.

PS: Wenn mich mein erster Eindruck nicht schwer täuscht, ist das neue Banjo-Album Kopfdisco ein absoluter Pflichtkauf. Genauso wie das grandiose John Bello Story 3 von Kool Savas.


Gimma vs. Brandhärd – und legendär bei Bounce…

So, nach der unverschämten Diss-Attacke durch den Churer Rapstar Gimma folgt nun die knallharte, gnadenlose Retourkutsche aus dem Brandhärd-Lager…

Ein Schelm, wer vermutet, hinter diesen beiden Videos verstecke sich ein Promo-Stunt…

Ach ja: Am 4. Juni erscheint das neue Brandhärd-Album «Blackbox» (hier vorbestellen); Gimmas neue CD «Unmensch» ist bereits draussen (Gratulation zum Charteinstieg auf Platz 13!). Die beiden Videos entstanden übrigens nach dem Bounce-Interview mit Gimma (für die Uninformierten: Johny Holiday und meine Wenigkeit, Fetch, arbeiten bei der Rapsendung Bounce auf DRS Virus).

Und es war die unterhaltsamste Sendung seit langen: Gimma und die Bounce-Crew schwachsinnierten über Fussball, Porno-Drehs, Ex-Missen, Hakan Yakin und verschleuderte Steuergelder…auch ja, um Rap gings auch noch nebenbei. Hier gibts die gesamte Sendung als Podcast zum Gratis-Download!

PS: Das-Aromat-Schnupfen mit Gimma hat voll reingehauen. Aber Achtung: Bitte nicht nachmachen, die Aktion wurde von speziell trainierten Stunt-Profis durchgeführt;)

PPS: Nach dem Bounce-Interview hat uns Gimma zudem noch verraten, dass Popstar Bligg auf seinem kommenden Album-Cover nicht als Willhelm Tell posieren kann: Der Basler Rapper Griot hat die Idee nämlich auf dem Frontbild seiner aktuellen CD «miCH» vorweggenommen. Und wie allseits bekannt ist, hat Griot mit Gimma und Bligg nicht all zu viel am Hut. Aber psst…nicht weitersagen;)


Bounce-Podcast: Casus, Mos und Dr. Aux

Was für ein angenehmer Bounce-Abend auf Türkisch und Baseldytsch: Zuerst präsentierte Makale-Rapper Casus exklusiv sein neues Solo-Album. In der zweiten Stunde stürmte dann die «Chilla Posse» aka Mos und Aux das Virus-Studio. Hier gibts die ganze Sendung als Podcast.

Casus und seine Crew Makale sind selbst den ganz bekannten Rappern der Türkei, etwa Ceza, ein Begriff. Von Basel aus erreicht und beeinflusst das Trio mit ihrem türkischen Rap Liebhaber in ganz Europa. Nun erscheint mit «Romantik Serseri» (d.h. Romantischer Gauner) das Solo-Album des Makale-Frontmans Casus.

Die CD steht zuerst in der Türkei in den Läden, wo Casus über einen festen Plattenvertrag verfügt. In der Schweiz wird sich noch herausstellen, welcher Vertrieb zum Handkuss kommt – somit haben die Tracks, die bei Bounce gespielt wurden, absoluten Exklusiv-Charakter. Im Interview erklärte der Basler, warum er ein «sympathischer Gauner» ist. Mehr zu Casus erfahrt Ihr in diesem ausführlichen Interview. Und hier zu unseren Gästen der zweiten Stunde…

In der zweiten Bounce-Hälfte besuchten uns Mos & Dr. Aux im Studio. Der Rapper und der DJ/Produzet sind 2/3 der Rapcrew «Vinylbros» und haben seit kurzem das Album «Chilla Posse» im Umlauf (hier zu kaufen). Im Interview verraten die beiden, warum sie ganze 23 Gäste am Start haben und hinter welchen Kollabos sich eine besondere Story verbirgt.

Hier gibts alle vergangenen Bounce-Sendungen als Podcast – u.a. mit Gimma, Guru-Special, Samurai, Dabu Fantastic uvm.


Playlist & Podcast: Samurai und LDDC bei Bounce

Double Trouble gestern bei Bounce: Samurai veröffentlicht heute sein Album «Legendär». Ebenfalls seit heute Freitag ist die Crew LDDC mit «RimaSSafaR» Start. Beide waren kurz vor ihrem Release live zu Gast bei Bounce. Hier wie gewohnt der Podcast als Gratis-Download. Wer weiter liest gelangt zur Playlist der gestrigen Show…

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Podcast & CD-Tip: Zako – Su Di Me

Seit Ende April ist das Album «Su Di Me» (zu Deutsch: Über mich) des Basler Italo-Rappers Zako im Umlauf. Vergangene Woche verriet der sympathische Basler bei Bounce, dass er seine Rapkarriere vor rund einem Jahr fast beendet hätte. Zum Glück kam es anders und es entstand eine CD, die es verdient gehört zu werden. «Su Di Me» soll nun Schlussstrich und Befreiungsschlag zugleich sein…damit es bald neue Musik von Zako gibt.

Hier gibts die ganze Bounce-Sendung als Podcast zum Gratis-Download. Gemessen an seinem Können und seiner Bühnen-Präsenz gehört Zako wohl zu den Besten seines Fachs – nur haben das leider noch viel zu wenig Leute bemerkt. Das komplett von Def Cut produzierte Album ändert dies nun hoffentlich. Ich jedenfalls mag Alben, die durchgehend von einem Beatmacher produziert wurden.

Heute Abend bei Bounce: Samurai (20h) und LDDC (21h). Wenn Ihr weiterlest gibts zudem ein Detailfeedback zu den ersten drei Zako-Albumsongs, welche die gesamte CD relativ gut wiedergibt…

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