Beiträge mit Schlagwort “Basler Zeitung

Ein Gay-Callboy kämpft an mehreren Fronten

Dieser Artikel erschien erstmals am 20. Januar in der Basler Zeitung.
Der Basler Sex-Arbeiter Mateusz Skibinski erzählt, was er zur HIV-Prävention und gegen tobende Ehefrauen unternimmt. Dabei kann er sich auch Andeutungen zu prominenten Interessenten nicht verkneifen.
Kämpft um Anerkennung und Akzeptanz: Callboy Mateusz Skibinski hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht.

Kämpft um Anerkennung und Akzeptanz: Callboy Mateusz Skibinski hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht.

Es grenzt an ein Wunder, dass uns die Nachricht von Mateusz Skibinski überhaupt erreicht hat. Normalerweise werden Mails, deren Absender­namen sich aus den Wörtern Amor, Gay und Callboy zusammensetzen, vom Spam-Filter eliminiert. Nicht so dieses Mal. Und so erfahren wir, dass sich der 28-jährige Wahlbasler für eine bessere Akzeptanz schwuler Sexarbeiter und gegen die Ausbreitung des HI-Virus einsetzt.

Wir treffen Skibinski, den seine ­Kunden als Callboy Mateusz kennen, in der Bar des Hotels Trois Rois. Hier fühlt er sich wohl, mag das edle Ambiente und die Diskretion. Trotz seinem distinguierten Auftreten wirkt der gebürtige Pole im Nobelhotel wie ein Paradies­vogel: extrovertierte Frisur, knallgelbe Rüeblihosen, das Shirt mit Strass-­Steinen verziert, dazu Lackschuhe. Die Brille ist von Prada, die Tasche von Louis Vuitton. Neben schönen Hotels und Kleidern mag er Theater, Opern und Museen. Orte, an denen auch Skibinskis Kunden verkehren. Diese seien nicht selten prominent, meist sogar verheiratet. Hier gäbe es einige Anekdoten zu erzählen. Aber erstens gehört Diskretion zum Callboy-Job und zweitens ist Skibinski hier, weil er Wichtigeres zu sagen hat.

Gegen das ewige Versteckspiel

«Als schwuler Ausländer aus der Sexbranche ist man dreifacher Aussenseiter», findet er. Sein Ziel ist, dass Homosexualität und Sexarbeit als normal angesehen werden. Als Callboy fühlt sich der Pole auch von der Gay Community nicht immer akzeptiert – was ihm zu schaffen macht. Zu Skibinskis Vision gehört, dass sich Schwule getrauen, zu ihrer Sexualität zu stehen. Insbesondere Ehemänner und Familienväter, die einen wesentlichen Teil seiner Kundschaft ausmachen. «Ich will, dass dieses Versteckspiel ein Ende hat», erklärt der Sex-Worker.

Dass Callboy Mateusz Sex mit ­verheirateten Männern hat, bereitet ihm kein schlechtes Gewissen. «Die sind nicht untreu», findet er, «denn ihre Frauen können sie nicht so befriedigen wie ich.» Es sei schon vorgekommen, dass ihn eine Ehefrau mit ihrem Mann in der Küche erwischt hat. «Wir waren nicht am Kochen», erinnert er sich schmunzelnd, «aber sie». Man habe die Situation danach ausdiskutiert. (mehr …)


Die langweilige Baller-App der NRA

Dieser Artikel erschien erstmals am 20. Januar in der Print-Ausgabe der Basler Zeitung.

Die US-Waffenorganisation National Rifle Association steht wegen ihrer neuen Gratis-Schiess-App «NRA: Practice Range» unter Beschuss. Wir haben das umstrittene Handy-Programm ausprobiert.

Je länger je mehr: Im Outdoor-Modus schiesst der App-User mit einer M16 auf bewegliche Zielscheiben.

Je länger je mehr: Im Outdoor-Modus schiesst der App-User mit einer M16 auf bewegliche Zielscheiben.

Einmal mehr beweist die National Rifle Association (NRA), dass sie das Fingerspitzengefühl einer Panzerfaust hat. Einen Monat nach dem Schulmassaker in der US-Kleinstadt Newtown lanciert die amerikanische Waffenorganisation eine Schiess-App für iPhone und iPad.

Während Kritiker von einer geschmacklosen Baller-App sprechen, will die NRA ihren neusten Schuss als Beitrag zum verantwortungsvollen und sicheren Umgang mit Waffen verstanden wissen. Wir haben uns an den virtuellen Schiessstand begeben und «Practice Range» ins Visier genommen.

Schiessen ohne Anleitung

Das Spiel, äh Training, ist so simpel wie die Weltanschauung von texanischen Cowboys: An drei Schiessständen können mit insgesamt drei Waffen je drei unterschiedlich knifflige Programme absolviert werden. Wir starten mit dem Outdoor-Schiessen, bei dem runde Zielscheiben durch die Gegend fliegen.

Zuvor suchten wir vergebens nach einer Anleitung zum sicheren Umgang mit der virtuellen Waffe, immerhin einem M16-Sturmgewehr. Der erste Durchgang ist ein ­totaler Misserfolg: zwei von 15 Zielen getroffen. Das gibt keinen Eintrag ins «Leaderboard», dafür aber 1300 Punkte Abzug für die 13 Schüsse ins Leere.

Cowboy-Feeling beim Ballern

Der zweite Versuch am Indoor-­Pistolenstand gelingt besser: Immerhin 65 Prozent Trefferquote, 13 der 15 Ziele eliminiert, sieben Schüsse ins Nirwana. Das ergibt immerhin 18 300 Punkte. Wenn die torsoförmigen Scheiben Taliban gewesen wären, hätten wir ihnen jetzt Saures gegeben!

Den Schiesserfolg haben wir vor allem der Erkenntnis zu verdanken, dass man die Ziele ins Fadenkreuz bekommt, indem man mit dem Handy entsprechend in der Luft rumfuchtelt – wie mit einer echten Pistole. Da kommt Cowboy-Feeling auf und man vergisst für einen kurzen Moment die etwas dürftige Grafik. Geschossen wird ganz einfach durch das Antippen einer beliebigen Stelle des Displays. Alternativ kann auch per Fingerzeig gezielt werden. Eine unendlich schwerfällige Variante, die nicht die Reaktionsfähigkeit des Schützen trainiert, sondern dessen Nerven strapaziert.

Schiessübung für Kinder

Auf zum letzten Schlachtfeld: Beim Tontaubenschiessen werden die Ziele mit einer Pump-Action, Modell Mossberg 500, zu Staub geballert. Während das Level geladen wird, präsentiert die NRA Fakten und Sicherheitstipps – sofern das Programm nicht abstürzt. So erfahren wir unter anderem, dass man das Schiessen unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln besser sein lässt; dass immer in eine sichere Richtung gezielt werden soll und dass die NRA mit ihrem «Gunsafe Programm» seit 1998 über 25 Millionen US-Kinder erreicht hat.

Ob die Kleinen dabei auch lernen, wie man sich vor einem ballernden Amokläufer schützt? So wie die NRA tickt, wäre das vermutlich mit Waffengewalt – und unter Mithilfe der «Practice Range»-App. Sie ist nämlich für Kinder ab vier Jahren zugelassen. Bleibt zu hoffen, dass diese durch die Eltern von dem langweiligen Propaganda-App genauso ferngehalten werden wie vom Waffenschrank.


Die Schweiz ohne Schweizer…

Yay! Zeit, diesen Blog nach sechsmonatiger Abstinenz aus dem Sommerschlaf zu holen – und zwar mit meinem heutigen Beitrag in der Sonntags-BaZ. Wie einige von Euch vielleicht wissen, bestücken meine Kumpel und ich dort jeweils die Rubrik «Webweit». Ich durfte mich diesmal in der Disziplin «Gezwitschert» austoben. Darin wird jeweils ein beliebiger Tweet verarbeitet. Diesmal gehts um Ferien und Herr und Frau Schweizer. Voila…

Der Mann ist zwar Komiker, einer der schwergewichtigsten des Landes obendrauf, aber irgendwie hat er recht: Die Schweiz könnte so schön sein – ohne Herr und Frau Schweizer. Es gibt Leute, die Ähnliches über Zürich denken. Oder über den Aargau, Heimatkanton von PeachWeber. Seit über dreissig Jahren ist der Sprücheklopfer und Kinderliedautor so etwas wie der Hofnarr der Nation. Da ist es nix als natürlich, dass der bald 60-Jährige den Schweizern den Spiegel vorhält und sie über ihresgleichen lachen lässt.

Haha, die schrecklichen Nachbarn, die mit Socken in den Sandalen die Geranien giessen und beim Rückwärtslaufen die Gartenzwergkolonie plattmachen! Endlich sind sie weit weg. Irgendwo in den Ferien in irgendeinem Touristenort, wo sie sich irgendwie an der lockeren und lebenslustigen Art der ein­heimischen Bevölkerung erfreuen, die ihnen lachend das Geld aus den Taschen zieht. So lebensbejahend und so unschweizerisch! Und auf der Strandliege nebenan brutzelt Frau Meier aus dem Nachbardorf. Gleich neben dem Russen, der wiederum neben einer so schrecklich schweizerischen Schweizer Familie liegt. Dabei ist man doch in den Ferien! Aber, sind wir ehrlich, die Häme gegenüber den Landsleuten – eigentlich geniessen wir sie so, weil wir insgeheim wissen, dass wir auch so sind. Zumindest manchmal.


Heute kochen wir: Bananenwickel nach BaZ-Manier

Arbeit macht frei…äääh hungrig. Das haben auch die Kollegen vom Infamy-Blog bemerkt und zur Sammel-Aktion «Bananen für die BaZ» aufgerufen. Begründet wird die rührende Aktion so:

Die abermals dezimierte Crew sieht sich vor die schwierige Aufgabe gestellt, mit immer weniger Manpower eine immer bessere Zeitung zu machen. Das braucht Energie. Und keine Frucht spendet mehr Energie als die Banane.

Ja wo sie recht haben, haben sie recht. Deponiert werden sollen die gelben Schlauchäpfel (huch, schon wieder ein Nazi-Wort…das muss wohl der Blocher-Einfluss sein) vor der Glastüre der BaZ-Redaktion am Aeschenplatz. Nun, bis jetzt habe ich leider noch keine Bananen vor unserer Pforte entdeckt (vielleicht wurden sie von enttäuschten Starbucks-Kunden weggegessen…der Kaffeetempel wurde nämlich letzte Woche dicht gemacht – nixx mit Banana Latte also). Für den Fall, dass wir aber in den kommenden Tagen – wie ich hoffe – mit Bananen zugebombt werden, habe ich das passende Rezept parat: Bananenwickel nach BaZ-Manier. Gut und billig. Viel Spass beim Nachkochen…

Bananenwickel nach BaZ-Art from Fetch on Fire on Vimeo.

Zutaten: Bananen, Schinken, Senf, Crème Fraiche, Curry-Pulver und Reibkäse. Dann ca. 20 Minuten bei 200 Grad in den Ofen.

PS: Die infame Bananen-Spende-Aktion ist eine super Sache, wie ich finde. Endlich kommen mal konstruktive, praktische Vorschläge von Aussen. Denn die 18’700 Unterschriften die der Exilberner in Basel gesammelt hat, kann man ja schliesslich nicht vertilgen.

PPS: Der Song im Video stammt von einem meiner Lieblingsmixtapes 2010: Asher Roth & Nottz – Rawth (Edit: F*#ck…YouTube hat den Song blockiert. Dabei hab ich alles so schön auf den Beat geschnitten…grrrh. Darum gibts das Video jetzt via Vimeo. Ätsch.).


Mit dem Vogel Gryff wieder zum Leben erweckt…

Heute habe ich den YouTube-Kanal der Basler Zeitung wiederbelebt. Fortan werden die besten aller BaZ-Filme auch im grössten Videoportal der Welt für die Nachwelt (und die Suchmaschinen) archiviert. Zum Beispiel das Vogel-Gryff-Filmchen von gestern…

Die Reanimation des BaZ-Kanals war gar nicht so einfach: Zuerst musste das Passwort bei einem geschätzten Ex-Arbeitskollegen besorgt werden. Dieser hat aber gleich noch seinen privaten Google-Account mit dem Kanal gekoppelt (dazu wird man von den Anbietern aber auch sehr dreist genötigt). Ihr wisst gar nicht, wie mühsam es ist, den Gmail-Account wieder vom YouTube-Kanal zu trennen. Und als Zückerchen obendrauf heisst es dann nach gelungenem Befreiungsschlag, dass man sich nun mit einem anderen Gmail-Account einloggen MUSS. Danke! Trotz aller Widrigkeiten ist es also vollbracht und Ihr könnt Euch nun oscarverdächtige Highlights wie der Besuch beim Modelleisenbahnclub auf der Netzhaut zergehen lassen…


Neuer Blog: Basler Kultur im Schlaglicht

Was für ein Freudentag: Heute hat ein neuer Blog zum Basler Kulturleben auf der BaZ-Homepage das Licht der Welt erblickt! Es geht ihm den Umständen entsprechend gut – es ist ein «Schlaglicht». Meine Wenigkeit ist auch dabei. Also werdet Fan auf Facebook, folgt uns auf Twitter oder mailt uns Eure Themenvorschläge!

Das Team (vlnr.): Chris Faber entstammt der Theater- und Kleinkunstszene, Karen N. Gerig ist Kunstkritikerin und Redaktorin bei baz.ch, Luca Bruno arbeitet als Moderator bei Mainstream, Radio X, und ist Gründer von IndieNet.ch, und der Typ ganz rechts ist Musiker und Redaktor bei baz.ch.

Zum Blog: «Schlaglicht will Euch informieren über das, was läuft in Basel. In den Museen, auf den Bühnen, auf der Strasse. Wir schreiben, was wir sehen, was wir hören, was wir darüber denken – subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.»


Sagt ein Blattmacher zum anderen…

«Du kunnsch mr amigs vor, als ob Du d Mässlatte immer extrem hoch leggsch und wenn Du Dienscht hesch, rennsch aifach undeduure.» …danke an U.B aus B. für den Spruch des Tages!=)


Fetchs Spiegelbild an der Art 41 Basel Pt. 2

Nach der Spiegelbild-Orgie zum Auftakt der Art 41 Basel gibts hier nun als – zugegeben etwas verspäteten – Abschluss den zweiten Teil der Tour…

Das letzte Spiegel-Bild entstand vor Ugo Rondinones Werk Clockwork for Oracles II (2008) an der Art Unlimited. Die 15 Meter breite und 5,6 Meter hohe Fensterwand hat der New Yorker mit Seiten der Basler Zeitung tapeziert. Wie schmeichelhaft. Mehr Bilder von der Art 41 Basel gibts auf meinem Flickr-Account zu sehen.


Blackbox-Review in der «Basler Zeitung»

So, nun habens wir auch noch in die BaZ geschafft (Besser Lesen? > Doubleclick auf das Bild;).



Wo ist Walter?

Na?! Ich glaube Ihr wisst schon wen ich meine…den VerWalter dieses Blogs;) Wo isser denn? Die Luftaufnahme hat eine dröhnende Drohne der Schweizer Armee gemacht. Sie kreiste vergangene Woche über den Köpfen der BaZ-Redaktion. Big Brother und so…

Zugegeben, die Bildqualität ist etwas dürftig. Aber schliesslich sollt Ihr die Basler Zeitung ja auch kaufen und nicht im Internet ergaunern;)


Fetchs Ausflug in den Blätterwald

Heute wurde ich entjungfert, es war sehr schön;) …Erstmals erschien ein Artikel von mit nicht ‚bloss‘ online, sondern auch in der Printausgabe der Basler Zeitung. Da bin ich also schon ein bisschen stolz drauf. Titel der Story: «Verzollt wird auch nach Schengen».

Es scheint, als ob mich das Schengen-Thema verfolgt: als ich 2006 für die Lälli-Clique zum ersten Mal den Zeedel dichtete lautete das Sujet «Die drey schengschte Dääg – Wolle mer se reilasse?» (meine bisher beste Fasnacht) und nun begleitet mit das Thema also auch bei meiner Print-Première. Bleibt zu hoffen, dass trotz Krise im Blätterwald wieder mal einer meiner Ergüsse auf Zeitungspapier landet.

BaZ_Schengen_JoelGernet

Zwei interessante Radiobeiträge zur Zeitungs-Krise gibts auf DRS 1 (Sturm im Blätterwald, vom 23.06.09) und auf DRS 3 (Zeitungsjournalist – Traumjob oder Auslaufmodell?, vom 14.06.09).