Beiträge mit Schlagwort “Streetart

Public Provocations 5 – Kesse Strassenkunst aus Rom

Am Samstag war Vernissage der fünften Public Provocations in der Colab Gallery Weil am Rhein (bis April als Carhartt Gallery bekannt). Bevor es unten meinen am Freitag erschienenen Beitrag für den BaZ-Kulturblog «Schlaglicht» gibt, hier ein paar Eindrücke von Opening.

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Colab_PublicProvocations_2013_web_13«In der Nacht sprayen? Ich doch nicht – ich bin eine Frau!», sagt Alice Pasquini und lacht. Die Römer Streetart-Künstlerin zieht es vor, auch ihre unbewilligten Wandmalereien bei Tageslicht anzubringen. In Italien ist das mit etwas Erfahrung, Fingerspitzengefühl und einem chicen Auftreten kein grösseres Problem. Im Gegenteil: Es kommt immer wieder vor, dass die kesse Künstlerin bei ihrer Strassenarbeit neue Aufträge reinholt.

Dieses Wochenende ist Pasquini nicht auf den Strassen Roms, sondern in Weil am Rhein (D) unterwegs: als ausstellende Künstlerin an der «Public Provocations». Die fünfte Ausgabe der Ausstellungsreihe präsentiert ab Samstag unweit des Rheincenters zehn internationale Urban-Art-Künstler.

Vor zwei Jahren war Alice Pasquini das erste Mal in Weil am Rhein. Als Begleiterin des französischen Streetart-Stars C215 hinterliess die Römerin damals bei der Carhartt Gallery ein kunstvoll verziertes Verkehrsschild. Inzwischen heisst die auf Urbane Kunst spezialisierte Galerie Colab Gallery – und Pasquini ist nicht mehr Anhang, sondern geladene Künstlerin.

Frau mit Apfel: Pasquinis Werk in Weil am Rhein. (Foto: Jessica Stewart, RomePhotoBlog).

Frau mit Apfel: Pasquinis Werk in Weil am Rhein. (Foto: Jessica Stewart, RomePhotoBlog).

Als wir Pasquini während der Gestaltung ihrer Ausstellungskoje treffen, beschäftigt sich die Italienerin mit der Hintergrundgestaltung ihres Bildes. Es zeigt eine junge Frau mit Apfel und Blumen in den Haaren. Naturfarben wie Braun und Grün dominieren das Motiv. Dass es daherkommt, als hätte es die Patina einer kunstvoll verwitterten Statue, ist kein Zufall. Pasquini mag alte Motive: «Ich habe mich von einer amerikanischen Zeitschriften-Werbung aus dem Jahr 1902 inspirieren lassen.»

Die Römerin beschäftigt sich seit jeher mit Malerei und Bildgestaltung. Nach Abschluss der Kunsthochschule arbeitete sie als Illustratorin, was ihr aber ziemlich rasch verleidete: «Ich war gar nicht mehr am malen», erinnert sie sich. Als sie daraufhin in Madrid Freizeitparks für Kinder gestaltete und deren Begeisterung sah, realisierte Pasquini, dass sie Kunst machen will, die unmittelbar auf den Betrachter trifft. Deshalb brachte sie, die immer schon eine Affinität zur HipHop-Kultur hatte, ihre Bilder vor rund sechs Jahren auch auf die Strassen. Inzwischen blicken ihre Motive – mit Vorliebe sanfte Frauen- und Kindergesichter – an fast allen Ecken dieser Welt von den Fassaden.

pub_prov_13_plakat_webWenn Pasquini ausserhalb Italiens tagsüber ungefragt Wände umgestaltet, geht sie dabei allerdings vorsichtiger vor. Die Passanten reagieren nämlich überall anders, wie folgende Episode aus dem norwegischen Oslo zeigt: «Ich mag, was sie machen», habe da eine Frau zur malenden Pasquini gesagt, «aber jetzt mache ich ein Foto und rufe die Polizei». Kunst im öffentlichen Raum – wir reden hier nicht von Schmierereien – wird halt in gewissen Kreisen immer noch als Provokation wahrgenommen. Daran soll auch der Ausstellungsname «Public Provocations» erinnern. In Weil am Rhein wurde Pasquinis Kunst bis jetzt allerdings noch nicht als störend empfunden – im Gegenteil. Das von ihr verzierte Strassenschild wurde vor zwei Jahren nach wenigen Wochen von einem kunstaffinen Dieb abgeschraubt.

Public Provocations V, Colab Gallery (früher: Carhartt Gallery), Schusterinsel 9, Weil am Rhein. Vernissage Sa. 8. Juni ab 20 Uhr. Die Ausstellung läuft bis Oktober 2013.

Künstler: Alice Pasquini (I), Amose (F), Case (D), Chris Stain (USA), Gris1 (F), Michael Grudziecki (PL), Orticanoodles (I), Robert Proch (PL), Wolfgang Krell (D). Mehr Infos.


Jump!

Mit dem Segen von King Fynn ist am Samstag die «Wallflowers»-Ausstellung in der Carhartt-Gallery in Style am Rhein (D) eröffnet worden.

Mehr von mir zu «Wallflowers» gibts auf dem Schlaglicht-Kultublog.


Heilige Granate, ich habe acht Hände!

Von wegen Mauerblümchen! Urbane Kunst führt längst nicht mehr als ein Schattendasein unter feuchten Brücken und in modrigen Abrissbauten. Inzwischen sollen viele hart arbeitende Graffiti- und Streetart-Künstler sogar besser von ihrem Schaffen leben können, als die gleichaltrigen Vertreter der sogenannten «zeitgemässen Kunst» – das hat mir Stefan Winterle, Künstler und Kurator der Carhartt Gallery in Weil am Rhein (gleich hinter der Grenze) gestern verraten hat. Dort gibts diesen Samstagnachmittag den Kickoff zur neuen Urban-Art-Ausstellung «Wallflowers». Hier mein Beitrag dazu auf dem Schlaglicht-Blog. Eines der Highlights der neuen Schau: Der überdimensionale Character des Franzosen C215

Schnappschuss des Tages: HandHändergranate Fetch mit acht Händen und zwei Beinen…


Skulptur: M. Gmehling, Holy Grenade, 2011

PS: Kann sich noch jemand an die Allschwiler/Basler Graffiti-Crew «Mauerblümchen» aka MB erinnern? Posk, Cyde etc… meine Helden der 90er-Jahre.


Ein Weekend im Zeichen von Graffiti und Streetart…

…steht uns bevor. Heute Abend (20h-23h) steigt im Ackermannshof in der St. Johanns-Vorstadt die Vernissage-Party zur sechsten «Artyou – Urbane Kunst Basel» (läuft bis Sonntag). Und am Samstagnachmittag ist zwischen Pferderennbahn und Joggeli wieder der legendäre «Schänzli Jam» angesagt. Zwei Leckerbissen an einem Weekend! Hier ein kleiner Appetizer mit Eindrücken von der «Artyou», entstanden am Abend vor der Eröffnung im Rahmen meines Schlaglicht-Artikels. Weitere Bilder gibts auf meinem Flickr-Account.


«Public Provocations III» in Style am Rhein

Seit gestern wird an der «Public Provocations» in Weil am Rhein Graffiti, Streetart und Artverwandtes ausgestellt. Hunderte waren an der Vernissage einen Steinwurf hinter der Landesgrenze. Ich auch. Hier ein paar ausgewählte Bilder des denkwürdigen Abends. Meinen ausführlichen Artikel zur Ausstellung könnt ihr auf dem Schlaglicht-Kulturblog lesen. Mehr Bilder gibts auf Flickr.

Won (ABC) aus München mit seinen typischen Train-Drachen.

Das «Wimmelbild» von Ayrz aus Spanien.

Frauenpower: Mad C aus Deutschland.


Run and gun an der muba

Wundert Euch nicht, wenn Ihr meine Fresse heute in der Tagesschau oder sonstwo sieht – sorry! So kam es zum Schlamassel: Heute hatte ich den Auftrag, die muba-Eröffnung zu filmen. Natürlich liess ich mir den anschliessenden Rundgang mit Frau Bundesrätin nicht entgehen. So viele Medienleute – da packt einen der Jagdinstinkt. Run and gun, nenn ich das. Fotografen fotografieren Fotografen beim Fotografieren – und, wenn der Weg grad frei ist, auch Eveline Widmer-Schlumpf mit ihrem auffälligen, violetten Hermes-Halstuch.

Sie war aber dummerweise nicht der einzige Farbtupfer – ich weiss auch nicht, wie ich auf die Idee kam, meinen türkisfarbigen Etro-Pulli zu tragen. Nunja…ist auch nicht schwierig in dieser tristen Masse von Politikern und Journalisten aufzufallen. Statt der muba-Videos – endlich konnte ich Guy Morin zu seinen unsagbaren MTB-Schuhen befragen – präsentiere ich Euch zum Wochenende aber lieber meine Lieblingsfilme der letzten Tage. Und diese sind in aller Ruhe entstanden.